Wer sich als Höhlenforscher allzu tief verrennt und dabei den Kopf zerbricht, wird unter größter Anteilnahme wieder ans Licht geholt. Ein wunderbarer Vorgang. Man wünschte, er wäre auch in anderen Disziplinen möglich. Denn genau besehen, ist ja auch die Geschichte eine Schachthöhle. Sie ist das Riesending unter dem Untersberg unserer Gegenwart. Nur dass jene, die dort unten herumtasten, kaum jemals gerettet werden, wenn sie etwa im engen Schlot ihrer Spezialdisziplin verkümmern oder sich verirrt und den Verstand verloren haben.

Besonders eifrig wird derzeit der lange Zeit kaum beachtete Canyon zwischen 1914 und 1918 kartiert. Einzelne Beteiligte sollen schon mit ihren Steigklemmen aufeinander losgegangen sein, und man muss befürchten, dass auch das historische Gestein Schaden nehmen könnte. Unter den rabiatesten Forschern finden sich derzeit, neben einem gewandten Australier, auffällig viele Deutsche. Fast wöchentlich vermelden sie ihren Standort. Wo bleibt er nur, der internationale Rettungsdienst?