Was die Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus versprach, klang lukrativ: 20,5 Prozent Rendite – darauf hofften Kunden im April 2012, die eine Aktienanleihe auf die Baumarktkette Praktiker gekauft hatten. Die Bedingung, um die versprochene Rendite zu erzielen: Am Ende der Laufzeit, am 20. Dezember 2013, müsste der Kurs der Praktiker-Aktie über 1,22 Euro stehen. Machbar, konnte man meinen, immerhin waren Praktiker-Aktien damals noch mehr als 1,40 Euro wert. Das Ende ist bekannt: Ein gutes Jahr später meldete das Unternehmen Insolvenz an. Wer Geld in die Aktienanleihe gesteckt hatte, verlor den Großteil davon.

Trotz solcher Fälle erfreuen sich Aktienanleihen seit der Finanzkrise immer größerer Beliebtheit. Zwar ist der Markt für Zertifikate, zu dem Aktienanleihen zählen, 2008 regelrecht eingebrochen und hat sich davon noch nicht wieder voll erholt. Für die Aktienanleihe ging es aber steil bergauf. Ihr Anteil am Markt aller in Deutschland gehandelten Zertifikate hat sich nach Zahlen des Deutschen Derivate Verbands seit 2008 von einem auf aktuell 7,6 Prozent vervielfacht. Zurzeit haben Anleger 6,5 Milliarden Euro in Aktienanleihen investiert.

Beliebt sind diese Wertpapiere, weil die Anleger angesichts anhaltend niedriger Zinsen auf der Suche nach Anlageformen sind, die wenigstens etwas Rendite bringen. In diesem Umfeld bewerben die Banken die Aktienanleihen als interessante Alternative zu Sparbuch oder Tagesgeld. Eine Anzeige von comdirect, der Direktbank der Commerzbank, versprach jüngst 6,5 Prozent Rendite und zeigt einen Karabinerhaken: Hier ist Ihr Geld sicher, diese Botschaft transportierte das Bild.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Eine Aktienanleihe ist weder eine Aktie noch eine Anleihe, sondern ein Derivat. Das heißt: eine Wette auf die Zukunft. Der Herausgeber eines solchen Wertpapiers – meist eine Bank – wettet, dass der Kurs einer bestimmten Aktie zu einem festgelegten Zeitpunkt unter einen vereinbarten Wert, den sogenannten Basispreis, fällt. Bei Praktiker waren das 1,22 Euro. Der Käufer der Aktienanleihe wettete indes, dass die Aktie zum Stichtag darüber notieren würde.

Behält der Käufer der Aktienanleihe recht, gibt es den Einsatz und die Risikoprämie zurück. Behält die Bank recht, erhält der Anleger zwar die Risikoprämie, nicht aber seinen Einsatz – sondern Aktien des Unternehmens, auf das gewettet wurde. So war es bei Praktiker: Als die Aktienanleihe auslief, war das Unternehmen insolvent, die Aktie notierte weit unter 1,22 Euro. Der Kunde erhielt somit zwar die versprochenen 20,5 Prozent Prämie auf den Basiseinsatz, statt des Einsatzes gab es aber wertlose Aktien der Baumarktkette zurück. Anstelle der erhofften 20,5 Prozent Gewinn standen rund 80 Prozent Verlust.

"Eine Aktienanleihe ist ein Produkt, das Anlieger anzieht, die eigentlich auf der Suche nach festverzinslichen Wertpapieren sind und sich vom Begriff Anleihe in die Irre führen lassen", warnt Falko Fecht, Professor für Finanzwirtschaft an der Frankfurt School of Finance & Management. So drohen unbedarfte Kleinanleger im risikoreichen Derivatemarkt zu landen. Und auch wenn Pleiten wie die von Praktiker eher selten vorkommen, sagt Fecht: "Das Chancen-Risiko-Verhältnis ist sehr zugunsten der ausgebenden Bank verteilt." Der Grund: Der Gewinn des Käufers ist nach oben begrenzt. Selbst wenn die Aktie ihren Wert verdoppelt, bekommt er nur die versprochene Prämie ausgezahlt.

Die Laufzeit von Aktienanleihen liegt meist zwischen einem und drei Jahren. Während dieser Zeit kann ein Anleger die Papiere auch handeln. Insgesamt gibt es rund 74 000 Aktienanleihen. Jede beliebige Aktie kann als Grundlage dienen. So gibt es zu jedem der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex Dax zahlreiche Aktienanleihen.

Auch mit prominenten Titeln sind satte Verluste möglich: So emittierte die Deutsche Bank im September 2012 eine Aktienanleihe auf E.on. Damals notierten die Aktien des Energiekonzerns bei 19,38 Euro. Das Versprechen: Sollte der Kurs binnen Jahresfrist nicht unter einen Basispreis von 16,27 Euro sinken, hätte der Kunde seinen Einsatz zurückerhalten plus fünf Prozent Risikoprämie.