DIE ZEIT: Frau Buch, kürzlich veröffentlichte Bild eine Liste der 50 wichtigsten Deutschen um die 50. Sie stehen an erster Stelle – vor dem Künstler Daniel Richter und der Schauspielerin Maria Furtwängler.

Claudia Buch: (lacht) Ich habe es gelesen.

ZEIT: Eine eher ungewöhnliche Platzierung für eine Wirtschaftsprofessorin.

Buch: Das stimmt. Ich war auch überrascht.

ZEIT: Wie wichtig ist es Ihnen, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden?

Buch: Das hängt davon ab. Für eine wissenschaftliche Karriere spielt das keine so große Rolle. Wenn Sie allerdings die wirtschaftspolitischen Debatten beeinflussen wollen, brauchen Sie die Öffentlichkeit. Sie müssen nach draußen gehen und sich an den Diskussionen beteiligen – nur so können Sie etwas bewirken. Das haben wir im Sachverständigenrat ...

ZEIT: ... dem Rat der Wirtschaftsweisen ...

Buch: ... versucht. Das war aber die Arbeit eines Teams, das war ich nicht alleine.

ZEIT: Jetzt beraten Sie nicht mehr, sondern entscheiden. Was ändert sich dadurch für Sie?

Buch: Es ist eine andere Form der Verantwortung. Die Aufgabe des Beraters ist es, seine Auftraggeber und auch die Öffentlichkeit möglichst gut zu informieren. In meiner neuen Funktion spielt die politische Abwägung eine stärkere Rolle: Es reicht nicht aus, sich zu überlegen, was man idealerweise erreichen möchte. Die Frage ist auch, was sich davon umsetzen lässt.

ZEIT: Fällt es Ihnen schwer, sich von der reinen Lehre zu verabschieden?

Buch: Die reine Lehre existiert auch in der Wirtschaftswissenschaft schon lange nicht mehr. Heutzutage wird mit einer Vielzahl von Modellen und Erklärungsansätzen gearbeitet. Es gibt in der Wissenschaft – wenn man sie ernst nimmt – nicht die eine Wahrheit.

ZEIT: Sie sind jetzt nach Frankfurt gezogen. Haben Sie sich dort schon eine Wohnung gekauft?

Buch: Ich wohne hier zur Miete. Weshalb?

ZEIT: Viele Experten warnen vor einer Spekulationsblase am Immobilienmarkt.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Buch: Wir haben es schon seit einiger Zeit mit niedrigen Zinsen zu tun, und in einer solchen Situation sind steigende Immobilienpreise nicht unüblich. Wir wissen auch, dass das sehr gefährlich werden kann: Bei den meisten Finanzkrisen waren Übertreibungen auf den Immobilienmärkten eine wesentliche Ursache. Daher beobachten wir die Lage genau – aber wir sehen in Deutschland derzeit noch keine Übertreibungen, die eine akute Gefahr darstellen.

ZEIT: In einigen Ballungsräumen sind die Preise regelrecht explodiert. Sie sind in der Bundesbank für die Stabilität der Finanzmärkte zuständig, macht Ihnen das keine Sorgen?

Buch: Nach unseren Analysen sind Immobilien in einigen Großstadtlagen in der Tat um etwa 20 bis 25 Prozent überbewertet. Es besteht aber bislang keine unmittelbare Gefahr für die Finanzstabilität. Sie dürfen nicht vergessen: Die Immobilienpreise haben sich vorher jahrelang kaum bewegt und sind in manchen Regionen sogar gesunken. Ein gewisser Preisanstieg war überfällig – zumal sich die wirtschaftliche Lage verbessert hat, die Einkommen gestiegen sind und es in den Ballungsräumen eine vermehrte Nachfrage aufgrund von Zuwanderung gibt.