Im August 2013 setzte Syriens Diktator Baschar al-Assad Giftgas gegen die Zivilbevölkerung in Damaskus ein. Schätzungsweise 1400 Menschen starben, darunter Frauen und Kinder. Daraufhin drohten die USA mit Luftschlägen. Immerhin hatte Präsident Barack Obama zuvor mehrfach den Einsatz von Chemiewaffen als "rote Linie" bezeichnet. Doch die US-Bomber blieben auf dem Boden. Unter Vermittlung des Assad-Verbündeten Russland verpflichtete sich die syrische Regierung, ihr gesamtes Chemiewaffenarsenal außer Landes schaffen zu lassen. Die USA ließen sich bereitwillig darauf ein und verzichteten im Gegenzug auf militärisches Eingreifen. Jetzt hat die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) Vollzug gemeldet. Das gesamte Chemiewaffenarsenal Syriens sei außer Landes geschafft worden.

Das ist eine sehr gute Nachricht – und sie ist gleichzeitig sehr schmerzhaft.

Das Abkommen hatte in Kauf genommen, dass Assad danach freie Hand haben würde. Tatsächlich ging Assad gnadenlos gegen die Opposition vor, gezieltes Aushungern und Fassbomben auf Wohnviertel inklusive. Er wusste nun, dass ihm keiner mehr in den Arm fallen würde. Er hat sich freigekauft. Eine üble Sache.

Doch was wäre die Alternative gewesen? Kein Abkommen. Assad hätte die Chemiewaffen behalten, und er hätte – daran besteht wohl kein Zweifel – sie weiter eingesetzt. Und zwar umso massiver, je gefährdeter er sich sah. Sein Untergang wäre wohl begleitet worden von den Nebelschwaden giftigen Gases.

Vielleicht hätte er auch im Fall seines Sturzes das Giftgas nicht eingesetzt. Kann also sein, dass es Assad gelungen ist, die Staatengemeinschaft mit der Vorstellung abzuschrecken. Möglicherweise wäre sein Regime nach ein paar Luftschlägen zusammengebrochen. Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen, ist, dass Obamas Amerika äußerst kriegsunwillig war, es wollte nach Afghanistan und Irak nicht erneut einen Krieg führen, nicht einmal einen aus der Luft. Darum nutzte Obama die erste Gelegenheit, nicht intervenieren zu müssen – und er erzielte einen Erfolg: Er schlug einem Diktator die Chemiewaffen aus der Hand und nahm die USA gleichzeitig aus dem Spiel.

Assad wird weiter ungehindert morden können, aber nicht mehr mit Sarin und VX. Entscheidungen der internationalen Politik, das zeigt dieses Beispiel, sind moralisch oft unerträglich.