Am Tag nach jenen Ereignissen, die als finstere Stunden in Sachsens Parlamentsgeschichte eingehen dürften, sitzt Matthias Rößler, 59, der Landtagspräsident, auf einer Pressekonferenz, schlackert mit den Beinen und grinst wie ein Lausbub. Dass Neonazis Unterschlupf in seinem Landtag gefunden haben, lässt ihn, Rößler, offenbar ziemlich kalt. Fragen beantwortet er bürokratisch, in Phrasen. Inhaltlich sagt er wenig.

Wer den CDU-Politiker kennt, weiß, dass dieser Mann allzu oft sein Ego kaum zügeln kann. Nicht wenige finden, Matthias Rößler interessiere sich vor allem für: Matthias Rößler. Nur wirkte diese Entrücktheit selten unpassender, unwirklicher als diesmal. Diesmal wäre ein Präsident gefragt gewesen.

Am Abend zuvor, am Dienstag, 17. Juni, hatte eine Gruppe NPD-Anhänger unweit des Dresdner Landtags protestiert. Danach waren etwa 40 Rechtsextreme in Richtung Parlament marschiert. Sie fühlten sich dort – so schildert die Polizei es später – offenbar von Gegendemonstranten bedroht. Die Polizei bat die Sicherheitsleute des Landtags deshalb, die Rechtsextremisten vorübergehend im Abgeordnetengebäude unterbringen zu dürfen – was erlaubt wurde. Sächsischer Landtag gewährt Neonazis Asyl, meldeten die Agenturen. Ein Polit- und PR-Gau.

Für Rößler, protokollarisch erster Mann im Freistaat, hätte es mindestens zwei Möglichkeiten gegeben, die Vorfälle entschlossen zu kommentieren. Er hätte, erstens, sagen können: Das "Neonazi-Asyl" war ein Fehler! Nie hätten Rechtsextreme ausgerechnet in jenem Hohen Haus Zuflucht finden dürfen, das sie so sehr verachten! Oder er hätte, zweitens, sagen können: Ist es nicht das Edelste an der Demokratie, dass sie selbst ihren Feinden Schutz gewährt?

Das Problem ist: Rößler hat sich entschieden, die Sache gar nicht öffentlich einzuordnen. Er spricht von einer "Lage-Eskalation", die Polizei habe in Absprache mit dem Sicherheitsverantwortlichen des Sächsischen Landtags gehandelt, "und so weiter und so fort", sagt er. So drückt er sich aus. Für ihn ist dieser Skandal nur ein technischer Akt. Er selbst sei sowieso zur fraglichen Zeit nicht vor Ort gewesen, erst im Nachgang informiert worden. Als müsse es ihn also auch nicht kümmern.