Zu den wunderbaren Begleiterscheinungen einer Fußballweltmeisterschaft gehört, dass sie den großen Männern unserer Zeit die richtige Größe gibt. Pep Guardiola zum Beispiel! Verschwunden, wie von der Geschichte verschluckt. Kann der Wundertrainer des FC Bayern eigentlich auch über Wasser gehen? Die Frage drohte Fußball-Deutschland zu zerreißen – diese Gefahr scheint einstweilen gebannt. Jetzt sorgen andere für Fieber, noch wunderbarere Männer, die Vincente del Bosque heißen oder Jürgen Klinsmann. Die Trainer der WM sind dabei, sich – an so manchem Spieler vorbei – in die Herzen der Fans zu spielen. Wie traumhaft sicher ihnen dies gelingt, erstaunt selbst diejenigen, die in der Liebe schon viel erlebt haben.

Coach Vincente del Bosque, 63, ist mit seinen eigentlich doch immer noch wunderbaren Jungs schon wieder daheim in Spanien. Der Mann mit den Schaufelhänden ist innerhalb einer Woche vom Titelverteidiger zum Mitleidsopfer geschrumpft. Schrecklich! Ob wir ihn je wieder glücklich sehen? Was macht einen Trainer groß?, die Frage lässt uns Vincente zurück. Und was macht ihn zum Verlierer? Der Philosoph Jürgen Klinsmann, 49, hat sich dieser Tage dazu geäußert. Genauer, er ist bei dieser Frage richtig aus der Haut gefahren. Das Sommermärchen bei der WM in Deutschland 2006 auf Klinsis Kabinenansprache zu reduzieren sei nur "bla, bla, bla"!

Ein Trainer sei dann ein guter Trainer, wenn er ein Gespür habe für die Begrenztheit seiner Person. Denn eigentlich sei der Spieler der wahre, der einzige Chef in der Arena. Der Coach an der Seitenlinie übe sich in einem ständigen "Empowerment". Auch ein Jürgen Klinsmann gebe nur den Anstoß von außen, mehr nicht.

Fußball sei "inner-driven", also müsse er seinen Leuten als Erstes begreiflich machen, "dass sie im drivers seat sitzen" – mit anderen Worten, dass sie die Hosen anhätten. Es gehört zu den Wundern der Weltmeisterschaft in Brasilien, dass die amerikanischen Spieler offenbar kapiert haben, was ihnen der Rufer aus Deutschland so lange gepredigt hat.

Klinsmann veranschaulicht den komplexen Sachverhalt gerne mit Blick auf US-Domänen wie Baseball, Basketball und American Football: "Da wird ständig durchroutiert." Anders die Lage beim Soccer, drei Auswechslungen, vielleicht noch eine Predigt in der Halbzeitpause, das ist alles. Beziehungsweise das war alles, bis Jürgen Klinsmann 2011 in Amerika die Geschäfte übernahm.

"You have the power to play it!" Die Spieler haben die Vollmacht, nehmen das Spiel in ihren Besitz, der Trainer reicht nur durch. "Das ist schon ein kultureller shift, der bei uns stattfindet", bemerkt Klinsmann angesichts der kleinen Revolution, die er da ins Rollen gebracht hat.

Und dann auch noch Berti Vogts auf der Tribüne. Auch so ein besonderer Trainer, aber jetzt Berater aufseiten der Amerikaner. "Er ist so voller Freude", heißt es im US-Team. Wunderbar.