Ein kurzer Fingerzeig in Richtung Präsidium, ein Kopfschütteln, dann war die Debatte beendet. Nein, Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt wollte sich am vergangenen Mittwoch in der Bürgerschaft nicht zu den Thesen der drei alten Herren äußern.

Vor drei Monaten haben Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) und die Altsenatoren Willfried Maier (Grüne) und Wolfgang Peiner (CDU) ihre "Sorge um Hamburg" in einen Appell gefasst. Der Stadt drohe die Zweitklassigkeit, wenn sie nicht endlich zur attraktiven Wissenschaftsmetropole werde, schrieben sie. Leitlinien für eine "Wissenschaftsstadt 2025" zu finden, das sei eine zentrale Aufgabe für die ganze Stadt: für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Deutliche Worte. Nur: Reden will über diese Aufgabe seither kaum jemand.

Universitätspräsident Dieter Lenzen erklärte die Debatte schlicht für überflüssig. Die Autoren hätten sich besser einmal bei ihm erkundigt. Die Universität sei auf einem hervorragenden Weg, was man brauche, sei vor allem weniger Einmischung durch die Politik.

Senatorin Stapelfeldt traf sich immerhin mit den Kritikern und ließ anschließend ausrichten, man habe ein "sehr intensives und anregendes Gespräch" geführt, niemand wolle "pauschal kritisieren", einig sei man sich, dass es gelte, die Wissenschaft so zu "positionieren, dass sie für die Aufgaben der Zukunft sehr gut gerüstet" sei.

Die Opposition müht sich seither, das Thema hochzuhalten. Zuletzt hatte sie das Papier für vergangenen Mittwoch zur Diskussion auf die Tagesordnung der Bürgerschaft gesetzt. Doch die vorhergehende Debatte über das neue Hochschulgesetz hatte die Besucher- und Pressetribünen bereits vor den ersten Rednern weitgehend entvölkert.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der aktuellen ZEIT. Sie finden die Hamburg-Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Es stellt sich also die Frage: Warum interessiert sich niemand für die Debatte? Ist sie so überflüssig?

Der Blick auf die Zahlen zeigt: Hamburg ist weniger Wissenschaftsstadt als andere deutsche Städte. Klar, Universitätsstädtchen wie Heidelberg oder Tübingen haben mehr Forschung in den Genen. Aber auch Berlin und München spielen in einer anderen Liga (siehe Grafiken), weil sie schon vor Jahren ihre Hochschulen förderten. Und Frankfurt und das Ruhrgebiet haben die Bedeutung von Wissenschaft erkannt, investieren heute in großem Ausmaß und könnten künftig enteilen.

Reflexartig würden Lenzen und Co. nun wohl aufzählen: die Teilchenforscher vom Desy, der KlimaCampus, das Giga-Institut, das Hamburger Institut für Sozialforschung, es gibt Spitzenforschung in Hamburg. Stimmt. Das ist aber am Ende für die Debatte gar nicht relevant.

Denn obwohl es teilweise exzellente Forschung gibt, ist der Ruf Hamburgs als Wissenschaftsstandort miserabel – in der Hansestadt wie anderswo. Die Universität gilt als unübersichtlicher Moloch, der vor sich hindümpelt; die Technische Universität Harburg und die Hochschule für Angewandte Wissenschaft haben den Ruf, ganz pfiffig zu sein, aber bedeutungslos. Und der HafenCity Universität sagt man nach, ein unterfinanziertes Möchtegern-Zukunftskonzept zu sein.

Das mag alles weit überspitzt sein und im Detail so gar nicht stimmen. Aber das sind die Geschichten, die man hört, wenn man mit Hamburgern über Wissenschaft redet und wenn man mit Wissenschaftlern über Hamburg redet. Und das ist der Kern des Problems.