DIE ZEIT: Herr Behrendt, Sie gehen am 1. Juli als Vorstandsvorsitzender von Hapag-Lloyd, um gleich im Herbst als Aufsichtsratsvorsitzender wiederzukommen. Warum diese Eile?

Michael Behrendt: Das war nicht mein Wunsch, sondern der Vorschlag der Gesellschafter und des jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden. Sie haben sich bei der Übernahme und der Integration des Containergeschäfts der chilenischen Reederei CSAV Kontinuität gewünscht. Das war ja mein Projekt.

ZEIT: Hatten Sie das Gefühl, bei Hapag-Lloyd "unvollendet" geblieben zu sein?

Behrendt: Unvollendet? Man kann immer Gründe finden, zu sagen, da sei etwas unvollendet. Dann müssten Sie aber bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag arbeiten. Ich finde, der Zusammenschluss mit CSAV ist eine wunderbare Zäsur. Mein Nachfolger wird die Integration durchführen. Das kann man gut in andere Hände legen. Keiner ist unersetzlich.

ZEIT: Trotzdem hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger noch einige Baustellen: Das letzte Jahresergebnis haben Sie selbst als "enttäuschend" bezeichnet, und der Börsengang steht auch noch aus.

Behrendt: Hapag-Lloyd hat keine Baustellen. Die ganze Branche ist eine Baustelle. Wir gehören da noch zu den Top-Performern. Aber das Geschäft wird sich drehen, und wer dann vernünftig aufgestellt ist, wird ganz schnell vom Ergebnis her wieder nach oben katapultiert. Wir aus der Schifffahrt sind das gewohnt, obwohl es noch nie so lange gedauert hat. Auch der Börsengang wird kommen.

ZEIT: Warum gehen Sie überhaupt noch in den Aufsichtsrat, Sie hätten auch sagen können, so Michael, jetzt bist du 63, jetzt ist mal genug. Können Sie nicht loslassen?

Behrendt: Das hat ja nichts mit Loslassen zu tun. Ich hätte schließlich auch Vorstand bleiben können. Aber ich habe für mich schon länger die Entscheidung getroffen, aus diesem Tagesgeschäft und der Diktatur der Termine auszusteigen. Ich kann Ihnen sagen, die letzten fünf bis sechs Jahre waren nicht gerade mit einer Spaßprämie versehen.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der aktuellen ZEIT. Sie finden die Hamburg-Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

ZEIT: Weil das Unternehmen auf dem Spiel stand?

Behrendt: Das war in der großen Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2009 sehr real. Trotzdem habe ich keine Sekunde geglaubt, dass das Unternehmen untergehen wird. Es ging darum, ein Konzept zu erarbeiten, das es einem erlaubt, durch die Krise zu kommen. Wir haben das völlig gedreht. Was jetzt läuft, ist lästig, aber kein fundamentales Problem. Damals war es eins. Das wäre schon sonderbar, wenn einen das nicht berührt. Das hat mich weit über Gebühr gefordert.

ZEIT: Ist das eigentlich lustig, so einen wie Herrn Kühne als Eigentümer zu haben?

Behrendt: Herr Kühne ist ein gestandener Unternehmer, und wir sind seit vielen Jahren befreundet. Ja, er ist ein Mann des klaren Wortes, aber er kann auch eine klare Antwort vertragen. Da wird oft etwas hineininterpretiert.