Die Nachricht seines Todes traf am vergangenen Dienstag auf der Art Basel alle die Besucher hart, die es gewohnt sind, bei der Galerie Kicken – sei es in Berlin oder auf Messen in Maastricht oder Miami – fotografische Meisterwerke aus über 100 Jahren zu bewundern. Während man sonst ästhetisch gestärkt weiterzog, war es diesmal tieftraurig, denn Rudolf Kicken, mit verschmitztem Lächeln, Entdeckergeist und tiefem Wissen, fehlte. Wie Tränen wirkten so die Spiegelnden Tropfen, die Peter Keetman 1956 fotografierte und die jetzt in Basel am Stand von Kicken ausgestellt waren. Lichttropfen hieß die erste Galerie, die Rudolf Kicken 1974 in Aachen zusammen mit Wilhelm Schürmann gegründet hatte. Von 1979 an führte er sie unter seinem Namen allein in Köln weiter, seit dem Jahr 2000 mit seiner Frau Annette in Berlin. Sie etablierten mit museumsreifen Ausstellungen ganze Kapitel der Fotografiegeschichte, Umbo und Otto Steinert, auch die Kunst des Piktorialismus. Über tausend Werke haben Rudolf und Annette Kicken kürzlich dem Städel in Frankfurt übergeben.

Lisa Zeitz ist Chefredakteurin von WELTKUNST und KUNST UND AUKTIONEN