Wenn man den Selbstdarstellungen vieler Unternehmen in Deutschland glaubt, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bereits eine Selbstverständlichkeit. Von den Webseiten lächeln glückliche Familien, die demonstrieren sollen, wie gut die Angebote der Betriebe angenommen werden: firmeneigene Kitas, flexible Arbeitszeitmodelle, spezielle Eltern-Kind-Zimmer und bisweilen sogar ein privater 24-Stunden-Betreuungsservice für den Fall, dass Kinder während einer Geschäftsreise untergebracht werden müssen. Über 1.000 deutsche Unternehmen haben sich mittlerweile als familienfreundliches Unternehmen zertifizieren lassen. Sich als attraktiver Arbeitgeber für Eltern zu präsentieren gehört längst zur Imagepflege.

Die meisten Maßnahmen helfen allerdings nur, die Beschäftigten von Familienlasten zu befreien. Weit seltener geht es in der Praxis darum, Eltern mehr Zeit für die Familie zu geben, ohne sie gleich aufs Abstellgleis zu schieben. Teilzeit bedeutet in den meisten Fällen: Verzicht auf berufliches Vorankommen. Das kennen Frauen schon lange, aber es gilt in besonderer Weise für Männer.

Zwar würden Führungskräfte und Mitarbeiter in Workshops engagiert über neue Familienbilder diskutieren und überlegen, was ihr Unternehmen leisten könne, um den Beschäftigten den Spagat zwischen familiären und beruflichen Aufgaben zu ermöglichen, beobachtet Agnieszka Althaber, die am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) über Männer in Teilzeit forscht. Aber die wenigsten Unternehmen fördern Teilzeitprogramme, indem sie auch diejenigen aktiv in ihrer Karriereplanung unterstützen, die ihre Arbeitszeit für eine Weile reduzieren wollen. Auch gibt es in den oberen Führungsetagen bislang kaum Beispiele für Doppelspitzen. Zwei Chefs, die sich Arbeitszeit und Verantwortung teilen, sind noch immer die Ausnahme.

Aber auch in den mittleren Führungsebenen ist die neue Arbeitszeitkultur noch längst nicht angekommen.  Dort wird oft subtil kommuniziert, dass der Teilzeitmann ein Risiko für die Arbeitsorganisation darstellt und für einen Aufstieg nicht geeignet ist. "Die Reform der Elternzeit hat zwar dazu geführt, dass eine kurze Auszeit für Männer nun eher akzeptiert wird, aber eine Reduzierung der Arbeitszeit für die Familie ist immer noch unüblich", sagt Althaber. Zwar habe die Reform der Elternzeit dazu geführt, dass eine kurze Auszeit für Männer nun eher akzeptiert werde. Wer seine Arbeitszeit aber über die zwei Vätermonate hinaus für die Familie reduzieren wolle, stoße noch immer auf Widerstände.

Von Arbeitgeberseite gesehen, ist das nicht verwunderlich. Schließlich bedeutet Teilzeit für die Unternehmen einen Nachteil, den sie schon bei Frauen ungern hinnehmen: Die Flexibilität muss organisiert werden, die fehlenden Arbeitsstunden müssen aufgefangen werden. Vor allem kleinere Betriebe fühlen sich damit überfordert. Dass sie Männer daher nicht zur Teilzeit ermutigen, liegt auf der Hand.

Umgekehrt schrecken die Männer vor tatsächlichen und vermeintlichen Hürden zurück. Sie trauen ihren eigenen Arbeitgebern nicht und haben Angst, durch eine freiwillige Reduzierung ihrer Arbeit benachteiligt zu werden. Immerhin wünschen sich 60 Prozent aller jungen Eltern in Deutschland mehr Zeit für die Familie. Aber nur 14 Prozent setzen diesen Wunsch auch wirklich um. Nach wie vor verbringt die große Mehrheit aller Väter rund 44 Stunden im Büro. Weil beide Partner einen besseren Ausgleich zwischen Beruf und Familie wollen, bekommt das Thema Teilzeit und Karriere nun einen neuen Schub. Denn die jungen Eltern wollen nicht beide auf eine Karriere verzichten. Die Männer, die das Bedürfnis haben, mehr zu Hause zu sein und ihre Partnerin zu entlasten, äußern ihren Wunsch dem Arbeitgeber gegenüber bisher oft nicht.

Die wenigen Unternehmen, die Teilzeit für Männer anbieten, rennen daher nicht unbedingt offene Türen ein, sondern oft sogar gegen Wände. BMW hat ein solches Programm, das auch für Väter gelten soll. Der Begriff "Teilzeit" war allerdings so negativ besetzt, dass man nach einem neuen suchte. Jetzt spricht man dort nicht mehr von Reduzierung, sondern stattdessen von "Vollzeit select".

* Der Text wurde für die Online-Ausgabe aktualisiert.