Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Besucher aus aller Welt durch die Frankfurter City streunen und die pittoreske Zeile von Altstadthäusern auf dem Römerberg fotografieren – nicht wissend, dass diese Häuser erst in den achtziger Jahren hochgezogen wurden. Aber was soll’s, die meisten kommen ohnehin eher, um Goethes Geburtshaus zu sehen oder um zu shoppen. Sehr beliebt, gerade bei Besuchern aus China, sind deutsche Koffer, Kochtöpfe und Messer. Es sind ganze Horden, die sich damit eindecken. Jeden Tag.

Frankfurt erfreut sich ungeahnter Beliebtheit. Anfang des Jahres führte die ehrwürdige New York Times in einer Liste von 52 Orten, die man 2014 besuchen müsse, auch Frankfurt am Main auf – als einzigen Ort Deutschlands. Nun zeigt eine neue Studie, dass sich die Zahl der Übernachtungen in der deutschen Finanzmetropole binnen zehn Jahren verdoppelt hat. Auch die Wirtschaft legt zu, die Zahl der Einwohner wächst, internationale Medien wie die Financial Times oder Bloomberg berichten über Frankfurts Boom.

Gebaut wird natürlich auch sehr viel, seien es Türme, Bürohäuser oder Wohnimmobilien. Eines der skurrilsten Projekte ist der Plan, eine "neue Altstadt" zu kreieren. Gemeinhin ist eine Altstadt ja dadurch gekennzeichnet, dass sie alt ist. Nicht so in Frankfurt. Mitten im Zentrum, gleich neben dem Römerberg, entsteht derzeit ein Areal mit kleinen Gassen und hutzeligen Häusern. 15 der 35 Gebäude werden "schöpferische Nachbauten" historischer Vorbilder sein, heißt: auf alt gemachte Neubauten. Ein neuer Fake also, ein neuer Schwindel. Auf dass alles wieder so schnuckelig aussieht wie vor dem Krieg. In ein paar Jahren werden somit auch dort die Besucher aus aller Welt herumschlendern und denken: Ach, wie pittoresk! Und die Frankfurter werden wieder die Touristen beobachten und denken: Ach, wie nett!