Im Juni veröffentlichte die Website des Jugendmagazins Bravo aufsehenerregende Bilder: Rihanna, der größte Popstar der Gegenwart, mit einem Joint. Text dazu: "Sorry, aber Vorbilder sehen anders aus!"

Die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, SPD, will ein Vorbild sein und hat eine groß angelegte Kampagne gegen Cannabiskonsum lanciert. "Bleib stark! Sei du selbst!" ist das Motto. Es gibt Kinospots, Postkarten, eine Webpräsenz. Das Signet der Kampagne ist ein Jugendlicher, der einen Joint von der Größe einer Stehlampe raucht. Hinter ihm taucht schattengleich sein besseres Alter Ego auf und fragt: "Wollten wir nicht eigentlich zum Training?" Und mit so einer Idee will die Senatorin ernsthaft Jugendliche vom Kiffen abhalten?

Dass Haschisch und Gras gesundheitsschädlich sind, ist nachgewiesen. Fragt sich nur, ob man Teenager über die Einimpfung eines Schuldgefühls erreicht. Nicht produktiv zu sein, auf etablierte Aktivitäten keine Lust zu haben: Das ist das Vorrecht junger Menschen. An die Selbstoptimierungskräfte von Kindern zu appellieren ist deshalb ähnlich sinnvoll, wie einem Popstar pädagogische Pflichten anzudienen.

Die jüngste Statistik zeigt einen deutlichen Anstieg des Cannabiskonsums bei Hamburgs Jugendlichen. Ihnen vorzuhalten, was sie versäumen, ist nur eine weitere Lektion in Sachen Selbstdisziplin. Aber Heranwachsende haben ein feines Gespür für Tonlagen. Gegen den Sound didaktischer Gängelei sind sie allergisch.

Was wäre also besser? Authentizität und die Möglichkeit zur Identifikation. Betroffene, die berichten, wie das ist: süchtig werden, die Kontrolle verlieren, sich schämen und gerade deshalb immer weitermachen mit der Selbstzerstörung.