Einen "hässlichen, herzlosen Fleck auf dem Grundgesetz" hat der Schriftsteller Navid Kermani das deutsche Asylrecht neulich im Bundestag genannt – und stehende Ovationen vieler Abgeordneter dafür bekommen. Einige hatten Tränen in den Augen. Dass die Bundesrepublik ihre Lehre aus der Nazizeit – "politisch Verfolgte genießen Asylrecht" – unter lauter Spitzfindigkeiten und Drittstaatenregelungen begraben und vergessen habe, klang ergreifend, ist aber falsch.
Die Asylpolitik der Bundesrepublik war noch nie so reflektiert und akzeptiert wie heute. Deutschland hat nicht nur weltweit die meisten Asylbewerber – es waren 2013 über 120.000, und wir gehen derzeit auf die 200.000 zu. Es ist auch, wie der Chef der Flüchtlingshilfsorganisation UNHCR, Hans ten Feld, am Montag in Berlin bestätigte, ein Land, an dem sich viele andere in Europa orientieren, gerade in der Frage, die der Organisation derzeit die größten Sorgen bereitet: das Schicksal der syrischen Flüchtlinge. "Kein anderes Land hat eine derart engagierte Diskussion zu diesem Thema geführt wie die Deutschen", so ten Feld. Und Nihad Bakr, ein syrischer Flüchtling, der hier nach einer absurden Odyssee über türkische und griechische Lager Unterschlupf fand, sagt dazu: "Germany is a country of peace and protection" (Deutschland ist ein Land des Friedens und des Schutzes).