DIE ZEIT: Herr Scheffler, Sie sind Hamburger und einer der erfolgreichsten Kinderbuchillustratoren. Sind Sie der lebende Beweis für die These, dass Hamburg die deutsche Kinderbuch-Hauptstadt ist?

Axel Scheffler: Im Gegenteil. Ich musste die Stadt erst verlassen, um zu lernen, dass man Illustrator von Beruf sein kann. Das ist mir klar geworden, als ich Anfang der achtziger Jahre nach England ging, dort eine Kunsthochschule besuchte und drei Jahre lang nur zeichnete.

ZEIT: Mittlerweile leben Sie seit mehr als 30 Jahren in Großbritannien. Hat Hamburg Sie vertrieben?

Scheffler: Nein, es war eher ein Versehen, dass ich komplett ausgewandert bin. Eigentlich wollte ich nur eine Weile ins Ausland und mein Englisch verbessern. Ich dachte jedenfalls nicht, jetzt hab ich die Nase voll von dieser Stadt und muss hier raus. Ich war Mitte 20, lebte noch bei meinen Eltern, steckte mit meinem Studium der Kunstgeschichte in einer Sackgasse. Ich hatte das Gefühl, jetzt muss mal etwas geschehen. Und wir Hamburger gelten doch immer als anglophil, da war es naheliegend für mich, nach England zu gehen.

ZEIT: 1999 haben Sie gemeinsam mit Julia Donaldson einen modernen Kinderbuchklassiker geschaffen: den Grüffelo, und als Nachfolger Das Grüffelokind. Ist der gigantische Erfolg ein Segen oder ein Fluch?

Scheffler: Ich werde die Maus und das Monster ja nicht mehr los. Und es ist natürlich mehr ein Segen. Ich treffe oft Fans, und viele erzählen mir, wie wichtig das Buch ist, weil es Kinder an das Lesen heranführt. Und das ist doch etwas Schönes und Erfreuliches!

ZEIT: Was mögen Sie selbst an Monster und Maus?

Scheffler: Mich fasziniert immer besonders, dass viele Kinder die Geschichte gar nicht richtig verstehen. Das stört sie offenbar nicht, sie sind trotzdem begeistert. Ich mag es, wie die Maus den Grüffelo austrickst, dass die Kleine den Großen überlistet – wenngleich sie dafür lügen muss. Das Buch hat viele Ebenen. Irgendwie ist das Monster unheimlich und macht Angst, gleichzeitig ist es aber auch liebenswert dusselig. Ich bin immer überrascht, dass Kinder den Grüffelo auch als Kuscheltier annehmen. So kuschelig sieht das Monster ja nicht aus.

ZEIT: Der Grüffelo wird in diesem Jahr 15 Jahre alt, das Grüffelo-Kind 10 Jahre alt. Feiern Sie das?

Scheffler: Es gab eine offizielle Feier auf der Kinderbuchmesse in Bologna im Frühjahr. Da waren die Verlage aus aller Welt, die das Buch verlegen, und es gab eine mehrsprachige Aufführung von uns, auf Italienisch, Französisch, Schottisch, Englisch und Deutsch. Jeder hat in einer anderen Sprache seine Rolle gespielt.

ZEIT: Sie auch?

Scheffler: Ich muss immer mitmachen und habe mal wieder die Eule gespielt – dieses Mal eine Deutsch sprechende.

ZEIT: Feiern Sie auch noch gemeinsam mit Julia Donaldson?

Scheffler: Wir haben keine weiteren Geburtstagsauftritte.