Einen gab es, der Alexander Dobrindts Maut-Pläne von Anfang an durchschaut hat. Alles, nur das nicht, bat ADAC-Chef Peter Meyer und schlug als Alternative sogar eine Erhöhung der Mineralölsteuer vor. Autolobby fordert höhere Spritsteuer! – bei dieser Nachricht hätte allen klar sein müssen, was die Stunde geschlagen hat. Aber wer hört noch auf den ADAC?

Nun ist sie fast da, die Auto-Maut der CSU. Das Volk schimpft, der Rest der Regierung tut unbeteiligt, Dobrindt treibt sein Projekt mit der Unbeirrbarkeit des Apparatschiks voran, der bei der Exekution der Parteilinie bloß seinen Befehl ausführt. Wer sich an den Ausgang des Streits um das Betreuungsgeld erinnert, hat am Ergebnis keinen Zweifel: Die Maut kommt. CDU und SPD, denen nichts ferner liegt als eine Politik gegen Autofahrer, hoffen noch, dass die EU das Schlimmste verhüten möge. Die Grünen, die ihr Glück nicht verstehen oder noch nicht fassen können, geben sich seriös und machen auf Opposition – und wir Umweltschützer feiern. Keine noch so mächtige Ökobewegung hätte vermocht, was der CSU fast ohne Widerstand gelungen ist: Sie hat in Deutschland eine Pkw-Maut durchgesetzt.

Im Rückblick werden sie sich bei der CSU fragen, wie das passieren konnte. Die Versuchung angesichts der Chance, Fremde für deutsche Straßen bezahlen zu lassen, war wohl einfach zu groß: Gegen Ausländer und für Asphalt – es ist eine kuriose List der Vernunft, dass ausgerechnet aus der Verbindung zweier populistischer Impulse eine echte ökologische Reform entsteht.

Angeblich sollen nur Ausländer zur Kasse gebeten und Deutsche bei der Kfz-Steuer entlastet werden. Wer sich fragt, was von dieser Ankündigung zu halten ist, der lese die Stellungnahme des gewöhnlich realistischen ADAC. "Es ist gut, dass Herr Dobrindt noch einmal sehr deutlich gemacht hat, dass kein einziger deutscher Autofahrer durch eine Maut finanziell zusätzlich belastet wird", hält die Autolobby zunächst fest, um schon im nächsten Satz zu verraten, wie wenig sie selbst diesem Versprechen traut: "Wir erwarten jedoch, dass diese Zusage auch für die Zukunft gilt und nicht in einigen Jahren auf Kosten der Inländer an den Schrauben der Kfz-Steuer gedreht wird." Im Ernst, Kollegen, das erwartet ihr?

Niemand, der bei Verstand ist, wird glauben, dass die nächste und die übernächste Bundesregierung sich an ein Versprechen eines CSU-Ministers aus dem Jahr 2014 gebunden fühlen wird. Sicher ist nur eines: Eine einmal eingeführte Abgabe wird in Deutschland gewöhnlich nicht wieder abgeschafft. Sie mag reformiert, angehoben, angepasst, durch weitere Regelungen ergänzt, verkompliziert und wiederum erhöht werden. Im Kern aber wird es dabei bleiben: Deutschland hat eine Pkw-Maut. Endlich.

Natürlich ist es noch ein weiter Weg bis zu einer echten, vollwertigen Maut, die geeignet ist, die Kosten des motorisierten Verkehrs auf dessen Teilnehmer umzulegen. Dank der Lkw-Maut ist die Technik für eine vollständige Erfassung der Straßennutzung aber längst vorhanden, es fehlt nur der politische Wille, sie einzusetzen.

Im Moment ist aber nur eines wichtig: Der Systemwechsel ist vollzogen. Auf lange Sicht war er ohnehin unvermeidlich. Man kann nicht einerseits Elektromobile zu den Verkehrsmitteln der Zukunft erklären und andererseits die Straßen, auf denen sie unterwegs sind, durch eine Mineralölsteuer finanzieren. Deren Ertrag mag heute für den Straßenbau sogar noch genügen – nicht aber zur Begleichung der Umweltschäden, die der Autoverkehr verursacht.

Wer hofft, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu können, der sei an die Geschichte der Ökosteuer erinnert. Sie entfaltete vom ersten Tag an eine erstaunliche politische Beschäftigungswirkung. Die FDP wollte sie erst abschaffen, dann senken, dann wenigstens Ausnahmeregelungen durchsetzen. Am Ende war es nicht die Ökosteuer, die verschwand. Im Fall der Maut wird der CSU die Aufgabe zufallen, alle Angriffe abzuwehren. Kann man sich etwas Schöneres vorstellen? Ausgerechnet eine Partei begnadeter Populisten muss von nun an eine Abgabe für Autofahrer verteidigen.

Österreich denkt übrigens bereits über eine Gegen-Maut auf den bislang mautfreien Bundesstraßen nach. Die Bewegung wächst.