Beschäftigt man sich mit Steuern, so begibt man sich in eine humorfreie Zone. Dennoch haben Humor und Steuer eine große Gemeinsamkeit aufzuweisen. Beide erleichtern. Zum einen das Gemüt, zum anderen die Geldbörse. Therapeutisch betrachtet, ist also beides nützlich. Mit Humor lässt sich der harte Alltag leichter ertragen. Der Fiskus andererseits nimmt dem Steuerzahler Entscheidungen ab, nämlich die lästige Frage, wofür er sein Geld ausgeben könnte. Manche sehen dadurch die individuelle Mündigkeit eingeschränkt, andere hingegen betrachten dies als durchaus sinnvolle erzieherische Maßnahme, um die Kaufkraft der Bevölkerung nicht ausufern zu lassen.

Nun steht, wie schon so oft, neuerlich eine Steuerreform vor der Tür. Oder auch nicht. Reform bedeutet ja Wiederherstellung und natürlich stellt sich die Frage, was hier genau wiederhergestellt werden soll. Die Steuer wiederherzustellen macht wenig Sinn, denn die gibt es ja bereits. Offensichtlich gilt es aber, den Steuersatz zu reformieren. Sofort werden irgendwelche ethischen Aspekte aufgeworfen. Gerechtigkeit oder Solidarität etwa.

Der Steuersatz ist aber letztlich nichts weiter als eine Zahl. Jetzt gibt es bekanntlich einige Hobbyphilosophen, die Zahlen eine gewisse Poesie oder tiefere Wahrheit zuschreiben. Und dieser kleinen Verirrung wohnt sogar ein eigener Zauber inne. Denn eigentlich kann die Steuer gar nicht hoch genug sein. Wer den Höchststeuersatz zahlt, weiß, dass er bis zur Monatsmitte für die Allgemeinheit tätig ist und erst danach für die eigene Tasche arbeitet. Kleine Tricks, wie sämtliche Krankenstände in die erste Monatshälfte zu verlegen, helfen da wenig. Es sollte vielmehr das Positive betont werden. Ist es nicht ein erhebendes Gefühl, die Hälfte seines Arbeitslebens sozial engagiert zu sein? Und dann am Wochenende die Früchte seines Schweißes zu besichtigen. Mit der Familie einmal die Westautobahn rauf- und runterzubrettern. Einfach so, aber mit der Gewissheit: Ein Teil des Asphalts kommt von mir. Oder ein Picknick in einem super renovierten Bahnhof gemeinsam mit Freunden, die ebenfalls den Höchststeuersatz zahlen. Da kann man sich dann schon ein bisschen besser fühlen als der vorbeihastende Pendler mit seiner lächerlichen, asozial niedrigen Steuerquote.

Auch Reiche haben Probleme. Das sollte man nicht vergessen. Es gibt in der Tat massive Ungerechtigkeiten. Wenn man schon 50 Prozent seines Einkommens dem Gemeinwohl zukommen lässt, weshalb muss man dann noch zusätzlich Autobahnmaut berappen? Wieso finanzieren die Gönner des Systems nicht nur die Subventionen der Bundestheater, sondern müssen auch noch für Eintrittskarten in die Tasche greifen?

Ganz klarer Fall von Doppelbesteuerung. Das ist die wahre Reichensteuer, und über diese frappante Ungerechtigkeit sollte man endlich reden. Und natürlich ebenso über die fehlende Widmungsfreiheit. Jeder Kleinspender darf sich aussuchen, ob er sein mühsam Erspartes den Ärzten ohne Grenzen, der Caritas oder dem Verein Vier Pfoten zukommen lässt. Nicht so die Hauptsponsoren des Systems. Wieso sollen Großverdiener ihre beträchtlichen Beträge etwa der Bundesbahn zukommen lassen, wenn ihr wichtigstes Verkehrsmittel eine Jacht ist? Warum Geld in räudige öffentliche Schwimmbäder pumpen, wenn man einen Pool sein Eigen nennt? Was macht es für einen Sinn, die erste Monatshälfte für ein marodes Bildungssystem zu schuften, wo doch der eigene Nachwuchs exzellente Privatschulen besucht? Die Fleißigen werden bestraft, das ist die eigentliche Schieflage des Steuersystems. Wenn Leute mit Mindesteinkommen und ohne Steuerleistung dennoch dieselben Autobahnen benutzen dürfen wie die Systemerhalter, dann ist das einfach missverstandene Solidarität. Nichts gegen Menschen mit niedrigen Einkommen, doch alles hat seinen Preis. Sonst könnten man ja gleich wieder zum Tauschhandel zurückkehren. Das hat sich historisch aber nicht bewährt. Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand. Ein Steuersystem für den Tausch lässt sich nicht realisieren. Daher kann in einer Tauschgesellschaft niemals eine große Kluft zwischen Arm und Reich entstehen. Das würde in der Folge die wirtschaftlich so ungemein wichtigen Kriege verhindern. Klingt alles kompliziert, die Lösung ist aber sehr simpel. Alle, und zwar ausnahmslos, sollten 50 Prozent oder besser noch mehr Steuern zahlen. Nur dann ist gewährleistet, dass sich Reiche nicht benachteiligt fühlen und gern bei den für sie sinnlosen Sozialeinrichtungen mitzahlen. Und die Ärmeren litten fortan nicht mehr unter dem Makel, Sozialschmarotzer zu sein.

Daher: Sofort die Steuern rauf, und zwar für alle!