Das Walross ist das inoffizielle Wappentier der Hamburger. Schon Carl Hagenbeck ließ sich 1911 an der Seite von Pallas malen, einem 750 Kilogramm schweren Prachtexemplar der Gattung. Das Tier trieb den Maler Lovis Corinth zur Verzweiflung, es mache die Arbeit "viel complizierter". Carls Nachfolger Heinrich lobte Pallas dann als "intelligentes und liebenswürdiges Geschöpf".

Von 1976 bis 2003 war Antje, ein pazifisches Walross, das Maskottchen des NDR. Ein Intendant in Antjes langer Amtszeit soll sie intern als "stinkendes Fischtier" verunglimpft haben – die Geschichte hat sich gerächt: Von dem Mann spricht heute keiner mehr. Antje kennt in Hamburg jedes Kind.

Im Juni kam in Hagenbeck ein männliches Walrossbaby zur Welt, 57 Kilo schwer. Mutter Dyna und Vater Odin können stolz sein, der Nachwuchs ist seinen Eltern wie aus dem Gesicht geschnitten und trägt bereits Bart. Das ist überhaupt das Schöne an dieser Art: Kleinkinder sehen aus wie ihr eigener Opa, nur in Niedlich. So wird die gesellschaftliche Vergreisung zugleich anschaulich und weniger bedrohlich.

Der Kleine hat noch keinen Namen, es sollte aber was Viriles, Stolzes sein. Hamburger Bullen verdienen Respekt.