Erinnerst du dich noch, wie stolz du gewesen bist auf deine Plauze? "Denker-Airbag" hast du sie genannt, angefressen in vielen langen Sitzungen vor dem Rechner. Amerikanische Fernsehserien, auch darauf warst du stolz – dass du Sopranos schon geschaut hast, als man hier noch von Marienhof schwärmte. Und Sport, das war das Letzte. Über Sport hast du gesagt, ohne mich, Freunde, der flexible Kapitalismus will uns nur verbiegen. Widerstand gegen die Verhältnisse beginnt auf dem Sofa.

Jetzt rennst du zu deinem Fahrrad. Gerade bist du aus dem Wasser geklettert, deine Muskeln vibrieren, gleichzeitig sind deine Beine mit Gelee gefüllt. Du könntest kotzen vor Anstrengung, und trotzdem ist dir nach Jubeln zumute, weil da diese Leute sind, Hunderte, Tausende, sie feuern dich an. Eine Woge aus Wohlwollen und Zuversicht, die über dich hinwegbraust, und als du dir die Schwimmbrille vom Kopf reißt, stürzt leuchtendes Blau auf dich herab. Der Himmel über der Alster. Kurz, für den Bruchteil einer Sekunde, durchzuckt dein von Glücks- und Stresshormonen geflutetes Hirn: Verdammt, ich bin sportlich geworden!

Am Wochenende findet der größte Triathlon der Welt in Hamburg statt. 20.000 Teilnehmer, 300.000 Zuschauer. 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen, das sind die Distanzen der sogenannten Jedermann-Disziplin. Die Olympier legen noch ordentlich was drauf, die Profis sowieso. Viele, die hier mitmachen, sind im Mai schon den Marathon gelaufen, mit 13 300 Einzel- und noch mal 6000 Staffelläufern der zweitgrößte Lauf der Republik. Nur Berlin kommt auf mehr Teilnehmer. Im August kommen die Cyclassics, das größte Fahrradrennen seiner Art in ganz Europa. 22.000 Fahrer gehen an den Start.

Hamburg ist eine sportliche Stadt, das belegen nicht nur die Statistiken solcher Riesenevents. Ein Drittel der Hamburger ist in Sportvereinen aktiv – eine beeindruckende Zahl. Aber noch beeindruckender ist die Tatsache, dass über 75 Prozent der Hamburger regelmäßig Sport treiben, mindestens einmal pro Woche, einfach so, unorganisiert, individuell. Das heißt, die Vereine sind wichtig, vor allem, wie Thomas Michael, der Sprecher des Sportbunds, sagt, als "Agentur für Integration". Aber das Gros der Hamburger begreift die Stadt selbst als Fitnessparcours.

Kein Wunder: Wenn man sich eine Metropole am Reißbrett ausdenken sollte, die Menschen dazu bringt, Sport zu treiben, käme Hamburg heraus. Checkliste: Gute Luft.

Passt.

Viele Grünflächen.

Passt.

Rad- und Laufwege entlang einer einzigartigen Kulisse.

Bitte sehr.

Ein Umland mit malerischer Szenerie zwischen Industrieromantik und bürgerlicher Parkästhetik. Alles da.