Rüdiger Safranski

1) Kaufen Sie Ihre Bücher bei Amazon?Nein.

2) Finden Sie es richtig, Bücher bei Amazon zu kaufen oder die eigenen dort verkaufen zu lassen?Ich kaufe dort nicht und empfehle auch anderen, es nicht zu tun, weil man mit dem Kauf dort einen Monopolisten fördert, den Buchhandel ruiniert und zur Verödung der Innenstädte beiträgt. Allerdings lohnt es sich auch nur dann, den Buchhandel zu verteidigen, wenn dieser seine Qualität verteidigt: ausgebildetes Personal, ein Sortiment, das nicht nur die Bestseller anbietet, und so weiter. Im Vergleich zu anderen Ländern ist, so mein Eindruck, die Situation im deutschen Buchhandel noch ziemlich gut. Wir hätten hier also etwas zu verlieren.

3) Würden Sie als Autor gerne Ihren Verlag anweisen, die Bücher nicht mehr über Amazon zu vertreiben?Solange die Buchpreisbindung noch funktioniert und keine unanständigen Rabatte gewährt werden, habe ich nichts dagegen.

4) Was halten Sie von der Nachricht, dass Amazon die Bücher mancher Verlage nur verzögert liefert, wenn diese Verlage sich den Rabattforderungen von Amazon widersetzen?Es rächt sich jetzt, dass viele Verlage das Monstrum in der Vergangenheit aus Kurzsichtigkeit gefüttert haben. Der Widerstand, auch wenn er spät kommt, ist jedenfalls zu begrüßen. Auch wenn, wie im Falle Hachette, nun ein Gigant gegen den anderen kämpft. Besser als ein Gigant sind mehrere, die sich in den Haaren liegen.

5) Was halten Sie von den Nachrichten über die Arbeitsbedingungen bei Amazon?
Scheußlich, wenn zutrifft, was man davon hört. Aber Amazon wäre auch schlecht für den Buchhandel, wenn die Arbeitsbedingungen dort besser wären!

6) Alles zusammen genommen, mit wie vielen Sternen (von fünf möglichen) würden Sie Amazon bewerten?
Mit keinem. Was allerdings wohl wenig nützen wird, denn Amazon zählt zu den Übeln, die man nicht mehr loswird.