In einer Stadt wie Dresden mag das zutreffen, anderswo darf die Idee hingegen als gescheitert gelten. Auch die Ausländerbehörde in Freiberg, Landkreis Mittelsachsen, bekam Ulbigs Reform verpasst. Hier stellte sich allerdings heraus: Es fehlen schlicht die Interessenten. Im ersten halben Jahr seien es nicht einmal 20 interessierte Fachkräfte gewesen, heißt es im sächsischen Innenministerium. Außerhalb der Großstädte lohnten Welcome Center kaum. Selbst Chemnitz sei wohl nicht groß genug.

Die Stadt hat es mit einer Art "Welcome Center light" probiert. Es wurden keine weiteren Sachbearbeiter eingestellt, sondern einfach ein paar Zimmer der Ausländerbehörde schöner hergerichtet. Die Sicherheitsscheibe zwischen Antragsteller und Beamten wurde abgeschafft. Fachkräfte müssen keine Nummer mehr ziehen, Termine werden auch außerhalb der Öffnungszeiten vergeben. "Wir sind nicht so vermessen, zu glauben, unseretwegen zögen jetzt mehr Fachkräfte nach Chemnitz", sagt die Sachbearbeiterin Claudia Wolf. "Aber wir merken, dass die Leute gerne zu uns kommen."

Martin Gillo, Sachsens Ausländerbeauftragtem, reicht das noch nicht. "Wenn wir wirklich wollen, dass Sachsen zu einem Magneten wird, dann sollten wir Englisch als zweite Amtssprache einführen", sagt er. "Das ist meine Vision, und das wäre ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal."

Denn: Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel leistet sich nicht einmal einen offiziellen Ausländerbeauftragten – obwohl immer mehr Leute in das Land ziehen. Sachsen-Anhalt hat vor wenigen Wochen immerhin ein Gesetz beschlossen, dass es zugewanderten Fachkräften erleichtern soll, ihre Berufsausbildung anerkennen zu lassen. Von einem Ansturm auf die neuen Länder kann aber noch keine Rede sein. Das, sagt Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte in Sachsen-Anhalt, werde wohl erst gelingen, wenn die Unternehmen im Osten ähnlich hohe Löhne wie die im Westen zahlen. Ein paar Welcome Center allein reichen da nicht aus.