Die Farbpsychologie ist eine Disziplin, die ohne kleinere Schlenker ins Reich der Esoterik nicht auskommt. Das sei an dieser Stelle vorausgeschickt, damit kein falscher Verdacht aufkommt gegen die Macher von "Blue Port". Die wollen in den kommenden Tagen, vom 28. Juli bis zum 3. August, den Hafen allabendlich in blauem Licht baden.

Das ist schön, denn wir stellen uns nur einmal vor, der Hafen würde, zum Beispiel, ockerfarben angestrahlt. Oder lila, was laut Fachblatt Glamour zwar die "faszinierende Trendfarbe" des Jahres 2014 ist, aber, farbtherapeutisch gesehen, hemmend auf Appetit und Sexualtrieb wirken soll.

Blau dagegen hemmt demnach Herzprobleme und Sonnenbrand. Das ist praktisch. Den Farbprofis von Blue Port zufolge handelt es sich bei Blau zudem um "die Farbe des Himmels und der Meere, der unergründbaren Tiefe der Ozeane, der Weite und Unendlichkeit". Nun hatte man bisher den Hamburger Himmel nicht als grundsätzlich blau vor Augen, Greenpeace mahnt schon lange, die Meere würden eine braune Brühe, und in ihrer unergründbaren Tiefe sollen die Ozeane tiefschwarz sein.

Aber so genau muss man es ja nicht nehmen. Wir alle wissen: Farben sind ein Mittel der Kommunikation ohne Worte. Eine allgemein verständliche Sprache, die im Unterbewusstsein Signale setzt. Weiß steht für die Reinheit. Schwarz macht traurig. Grün ist die Hoffnung. Wer in pinkfarbenem Kleid zur Arbeit erscheint, sorgt unter den Kollegen für Stimmung. Die Reizung der Sinne durch Farben hält den Menschen psychisch stabil.

Insofern ist die anstehende Tönung des Hafens zu begrüßen. Der selbstbewusste Einsatz der Farbe des Adels und der CSU wird hier zum Ausdruck für bürgerlichen Stolz und hanseatisches Hoheitsdenken. Der politische Mensch erkennt in der Aktion zudem einen Akt der Verheißung: Selbst Hamburg muss nicht für immer rot bleiben.