Der wortreiche Klubobmann der Volkspartei ist bekannt dafür, eine besonders feine Klinge zu führen. Kürzlich zielte sein rhetorisches Florett auf den Kanzler. Es mangle ihm an "Leadership", also an Führungsqualität. Die Begründung: "Der Herr Bundeskanzler ist in den letzten Monaten zunehmend von der politischen Oberfläche verschwunden!" Wenn jemand von der Oberfläche verschwindet, muss das aber nicht unbedingt negative Auswirkungen haben. Weg vom Oberflächlichen könnte durchaus auch auf mehr Tiefgang hinweisen. Oberflächlich betrachtet dürfte sich in diesem Vorwurf vielleicht sogar ein kleines Krypto-Kompliment verbergen. Fehlende Leadership zu orten scheint ganz zur Kernkompetenz des ÖVP-Klubobmanns zu gehören. War doch seine Partei in den vergangenen drei, vier Jahren eher ein ship ohne leader – ein politisches Geisterschiff. Daher ist es dem Mann hoch anzurechnen, dass er nun selbstlos dem Kanzler rät, er solle "nicht bei Entscheidungen abseits irgendwie dabei sein". Auch aus diesen Tipp spricht große Hochachtung. Normalsterblichen ist es nämlich meist nur möglich, entweder abseitszustehen oder dabei zu sein. Der Kanzler hingegen besitzt offensichtlich die Gabe, nicht ganz anwesend und doch im Abseits dabei zu sein, wenn auch nur irgendwie. Daraus lernt man, dass es hier auch mit nur rudimentären Deutschkenntnissen möglich ist, politische Spitzenpositionen zu bekleiden. Das erklärt, warum es manchen Volksvertretern nie ganz möglich ist, sich aus dem politischen Abseits zu spielen.