Australien, eine Industrienation, schafft die CO2-Steuer wieder ab – als erstes Land der Welt. Erst vor zwei Jahren war sie eingeführt worden. Das Argument von Premierminister Tony Abbott: Die Abgabe schade der Wettbewerbsfähigkeit. Schon vor ein paar Jahren tat er wissenschaftliche Belege für den Klimawandel als "totalen Humbug" ab.

China, ein Land in der Entwicklung, kündigt ein konkretes Ziel für die Senkung seines CO2-Ausstoßes an – zum ersten Mal. Es hat zwar bereits Grenzwerte, aber die sind an das Wirtschaftswachstum gekoppelt. Erst ökonomischer Aufschwung, dann Klimaschutz: Mit diesem Argument hat China lange jede konkrete internationale Abmachung abgelehnt, bis jetzt.

Verkehrte Welt? Mitnichten. Beide Entscheidungen sind in der aktuellen Lage völlig rational. China spürt immer heftiger die Folgen von Dürren und Überschwemmungen, die mit dem Klimawandel noch zunehmen werden. Das gibt es zwar auch in Australien, aber der Kontinent ist viel dünner besiedelt. In China leben im Schnitt 50-mal so viele Menschen pro Quadratkilometer. Die Zahl der Betroffenen ist also weitaus größer. Und der Platz zum Ausweichen kleiner.

Und obwohl beide Länder ihre Energie vor allem aus der Verbrennung von Kohle gewinnen, bekommen die Chinesen die Auswirkungen viel stärker zu spüren. Im Winter macht Smog das Atmen vielerorts lebensgefährlich. Sogar von der Regierung bestellte Forscher bezeichnen Peking als "für Menschen kaum bewohnbar". Luftverschmutzung ist nicht gleich Klimawandel, aber beide haben eine gemeinsame Quelle: die Schornsteine der Kohlekraftwerke.

Der Anreiz, zu handeln, ist also für die chinesische Regierung größer als für die australische. Eine rationale Entscheidung, wie gesagt. Im Umkehrschluss heißt das aber: Es muss erst weh tun, bevor man Klimaschutzregeln beschließt (und beibehält), welche die Wirtschaft schmerzen. Das wiederum ist weniger rational, denn in der Welt von heute gehört zum vernünftigen Handeln auch, voraus- und über den nationalen Tellerrand hinauszuschauen – und dementsprechend zu agieren. Das allerdings fällt dem Homo sapiens immer noch recht schwer.

Manchmal hilft aber auch ein ganz konventionelles "Wie du mir, so ich dir" (international tit for tat, bekannt vom klassischen Gefangenendilemma). China hat sich auch deshalb lange nicht bewegt, weil die USA, der zweite Großproduzent von CO2, sich lange nicht bewegt haben. Im Juni nun kündigte Barack Obama Treibhausgasziele für die amerikanischen Kraftwerke an – zum ersten Mal. Einen Tag später zog China nach. So simpel ist es manchmal.

Das könnte auch bei den Australiern funktionieren. Premier Abbott verkündete, höchstens dann einen Emissionshandel einzuführen, wenn auch die wichtigsten Handelspartner Australiens das täten. Einer davon ist China.