Seit dem Aufruhr um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst interessiert sich die Öffentlichkeit sogar für etwas so Schnödes wie die Finanzen des Bistums Limburg. Viele Katholiken hat entsetzt, dass der Neubau auf dem Domberg rund 31 Millionen Euro gekostet hat, inklusive eines Fischbeckens für 213.000 Euro oder der Innentüren für schlappe 490 000 Euro. Hinzu kamen das selbstherrliche Gebaren und die Geheimnistuerei des Bischofs. Seit klar ist, dass er und das Bistum getrennte Wege gehen, hat sich die Lage vor Ort zwar beruhigt. Doch der Fall wirkt nach und hat eine Debatte über die Finanzen der Kirche angestoßen. Dieser Debatte hat das Bistum nun vor wenigen Tagen neuen, positiven Schwung verliehen: Es legte seine Finanzen komplett offen und machte damit eine Ankündigung wahr (ZEIT Nr. 1/14).

Bemerkenswert ist der Schritt aus mehreren Gründen: Viele Bistümer haben in den vergangenen Monaten unter dem Druck der Öffentlichkeit Zahlen vorgelegt, diese aber blieben immer Stückwerk und waren daher schwer zu verstehen oder gar zu vergleichen. Mühsam musste die Öffentlichkeit lernen, dass es in einem Bistum nicht nur das Bistum selbst, sondern immer auch einen Bischöflichen Stuhl und ein Domkapitel gibt, also drei rechtlich eigenständige Einheiten mit eigenständigem Vermögen. Das Bistum Limburg hat nun als erstes Zahlen für alle drei präsentiert. Und es nannte auch konkrete Summen für die Fonds und Stiftungen, die es unterhält.

Bemerkenswert ist zudem das Bemühen um mehr Sachlichkeit. So reich ist das Protz-Bistum wirklich: Solche Schlagzeilen spiegeln die Aufgeregtheit der Skandalmonate wider, der Debatte aber helfen sie nicht. Ja, das Vermögen allein des Bistums beträgt 909 Millionen Euro, wovon 77 Millionen Euro in Immobilien und 730 Millionen Euro in Finanzanlagen stecken. Das aber mit Reichtum gleichzusetzen, hieße – übertragen auf die eigene Person –, nur auf den Kontostand zu schauen, ohne zu bedenken, dass noch ein Kredit abzuzahlen ist. Einem Vermögen stehen immer Verpflichtungen gegenüber. Bankkredite hat Limburg zwar keine mehr, Verpflichtungen aber sehr wohl.

So steckt in der Bilanzsumme ein Versorgungsfonds von 204 Millionen Euro. Aus dessen Gewinn will das Bistum die Pensionen früherer Mitarbeiter bestreiten. Mit Erfolg: 2013 schüttete der Fonds 6,9 Millionen Euro aus – genug für die Altersbezüge. Es gibt eine Baustiftung (139 Millionen Euro) und eine Schulstiftung (31 Millionen Euro). An "freier Substanz" ohne Verpflichtungen verbleiben 175 Millionen Euro, vor allem gebunden in Immobilien.

Düster ist: Hinter den Zahlen stehen Projektionen, wonach sich bis 2050 die Zahl der Katholiken im Bistum fast halbieren wird – und mit ihr womöglich auch das Kirchensteueraufkommen. Um sich davon unabhängiger zu machen, schuf das Bistum teils schon vor vielen Jahren die Sondertöpfe – weniger als "schwarze Kassen" denn als Ergebnis langfristigen Denkens.

Zur Not bleibt am Ende nur das Bischöfliche Weingut Rüdesheim. Das allerdings macht Verlust.