Jetzt spricht der Ostkurveur das Urteil im Gaucho-Prozess. Die deutschen Fußballspieler Götze, Kroos, Mustafi, Schürrle, Weidenfeller und ihr Rädelsführer Klose haben den Weltfrieden gestört. Die Genannten müssen im Länderspiel gegen Argentinien am 3. September 2014 neunzig Minuten Sozialarbeit verrichten. Ihr Weltmeistertitel wird aberkannt.

Erinnerung: Am 30. Juni 2008 besuchte ich die Berliner Fanmeile, zum ersten und hoffentlich letzten Mal. Das Glück deutschvölkischen Gleichsinns, beschallt mit törichter Musik, ist mir nicht vergönnt, doch mein Sohn drängte mich zum Empfang der Vize-Europameister. Tags zuvor hatten sie gegen Spanien verloren. Nun verhöhnten sie die Sieger nach Art des Gaucho-Tanzes, angestachelt vom Fernsehclown Pocher. Mein Junge fragte entgeistert: Warum machen die das?

Ich sagte: Aus Dummheit.

Der Deutsche Fußballbund war verärgert, damals wie heute. Der kluge Präsident Niersbach hat den Argentiniern eine Entschuldigung geschrieben. Die freilich verspotteten selbst nach ihrem gewonnenen Halbfinale die schmählich gescheiterten Gastgeber. Der deutsche Kapitän Lahm hingegen erklärte, er habe jenes irreale 7 : 1 gegen Brasilien nicht genossen, sondern mit Beklemmung erlebt.

Lahm ist ein reifer Kopf. Andere sind halt weniger gescheit und machen sich zum Obst.

Echte Verachtung des gleichwertigen Finalgegners Argentinien vermute ich bei keinem deutschen Spieler. Schlimmer war 2006 das hirntote Motivationsgebrüll des Trainers Klinsmann, aufbewahrt im Film Deutschland. Ein Sommermärchen: "Die Polen stehen mit dem Rücken zur Wand, und wir knallen sie durch die Wand hindurch!"

Damals hätte Miroslav Klose reden sollen. Jetzt hätte er besser geschwiegen.