Ach, wie süß! Zwei junge Leoparden schauen aus dem Bild heraus, als seien sie gerade im Spiel ertappt worden. Sieht es nicht sogar so aus, als ob sie lächeln? Die Landschaft könnte auch eine englische Steilküste darstellen, aber die Palmen im Mittelgrund sprechen eine andere Sprache. So stellte sich George Stubbs im 18. Jahrhundert die exotische Umgebung der Raubkatzen vor. Stubbs war ein Anatom und der berühmteste Tiermaler seiner Zeit, geboren 1724 in Liverpool, gestorben 1806 in London. Vor allem Pferde, aber auch Hunde waren sein Metier, und die englische Aristokratie versorgte ihn mit so vielen Aufträgen, dass er dadurch zu einem gewissen Wohlstand kam. Einmal hat er eine Reise nach Italien unternommen, aber in Afrika oder Asien war er nie. Die exotischen Tiere, die er malte, studierte er in den privaten und öffentlichen Menagerien Londons. Als sein Gemälde 1776 in der Royal Academy ausgestellt wurde, gab Stubbs selbst ihm den Namen Tygers at Play. Das war damals schon eine altmodische Bezeichnung, seit Mitte des 18. Jahrhunderts war die Unterscheidung zwischen Tigern und Leoparden eigentlich bekannt, und Stubbs war ein Kenner, der sogar einmal einen Bengalischen Tiger sezierte.

Eines seiner Lieblingsmotive war der Kampf zwischen einem Löwen und einem Pferd. Sein Publikum schätzte den abenteuerlichen Grusel. Doch auf diesem Gemälde hier wirken die Leoparden lieb und verspielt, geradezu zahm. Der Künstler hat der menschlichen Sehnsucht Ausdruck verliehen, im Einklang mit der Natur zu leben – wie im Paradies vor dem Sündenfall, wo die Menschen noch keine Angst vor wilden Tieren haben mussten.

Sotheby’s hat das Gemälde im Juli bei den Londoner Altmeisterauktionen versteigert. Geschätzt auf vier bis sechs Millionen Pfund, zahlte ein asiatischer Sammler am Schluss 7.698.500 Pfund. Er kaufte übrigens, ebenfalls für Millionen, noch ein Gemälde von Jan Breughel dem Älteren, das den biblischen Garten Eden darstellt. Auch wenn wir den Sammler nicht kennen, so könnte man doch meinen, er sehnt sich nach dem Paradies.

Lisa Zeitz ist Chefredakteurin von "Weltkunst" und "Kunst und Auktionen"