Die Präsidenten von TU und HAW beschweren sich, ihre Positionen seien nicht berücksichtigt worden. Die Handelskammer bemängelt, es fehle an einer klaren Strategie. Die Opposition findet ohnehin, dass dieses, jenes und vieles andere nicht aufgenommen worden sei. Und nun haben auch noch die Studenten moniert, die Frist für ihre Stellungnahme sei viel zu knapp und liege mitten in den Semesterferien.

Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt hat auf ihr Papier zur Zukunft der Hamburger Hochschulen ein desaströses Echo bekommen. Der Tenor: Die Wissenschaftsbehörde habe keine Ahnung – weder davon, wie gute Wissenschaft funktioniere, noch davon, was an den Hochschulen los sei.

Man hätte diese Reaktionen in ihrer Heftigkeit verhindern können: Welche Aussage soll mit dem Strategiepapier vermittelt werden? Sind alle Betroffenen genügend einbezogen worden? Und wurden ausreichende Fristen gewährt, damit sich alle relevanten Gruppen äußern können? Diese Fragen vor der Veröffentlichung zu klären gehört zum kleinen Einmaleins der Politik. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die normalerweise eher bedächtige Senatorin von der angeblich durch die Staatskanzlei lancierten Veröffentlichung überrumpelt wurde.

Man könnte das Papier aber auch so deuten, dass der Senatorin immer noch das Verständnis dafür fehlt, dass die Debatte über die Hochschulen in der ganzen Stadt geführt werden muss. 70 Seiten ist das Papier lang. Große Teile der Bevölkerung werden so etwas nicht lesen, besonders weil selbst derjenige, der sich hindurcharbeitet, wenig zum Festhalten findet: Das Papier beinhaltet fast alles – und damit nichts. Leerformeln ("Exzellenz"), Selbstverständlichkeiten ("Vernetzung"), Dutzende Seiten Details, worin welche Hochschule gut ist oder werden soll.

Das hat fatale Folgen. Für Bürger entsteht beim Lesen der Eindruck: Komplexe Materie, nichts für mich. Warum kommuniziert eine Senatorin so dilettantisch? Ist das wirklich ein Versehen? Eines könnte Stapelfeldt erreichen: Sie hält eine Debatte im kleinen Expertenkreis, die bei größerem Verständnis in der Öffentlichkeit für die Politik teuer werden könnte.