Warum ist Johannes Beermann (CDU) als Kandidat für einen Vorstandsposten bei der Bundesbank vorläufig gescheitert? Jemand, der ihn als Kollegen kennt, aber besser anonym bleiben will, sagt: weil die Bundesbank, gewissermaßen, die Formel 1 sei. "Und das Team Sachsen versucht jetzt, seinen stämmigen Mannschaftskoch in einen Boliden zu pressen. Das kann ja nur schiefgehen."

Dies ist die Kategorie Häme, die man dieser Tage über Sachsens Staatskanzleichef Beermann hört, und viel von dieser Häme, das ist die schlechte Nachricht für ihn, dringt aus dem eigenen Lager, auch aus der CDU. Das liegt daran, dass ausgerechnet er, der sich als wichtigster Strippenzieher Sachsens versteht, beim Strippenziehen in eigener Sache versagt hat. Und es liegt daran, dass Beermann sich immer allzu eifrig Feinde machte.

Das Bild vom Koch ist gar nicht das unpassendste, um diesen Johannes Beermann zu beschreiben. Denn der 53-Jährige, ein im westfälischen Emsdetten geborener Jurist, ist in Sachsens Staatsregierung ja tatsächlich genau das: der Koch, der Mann, der im Hintergrund arbeitet. Er gibt nicht den Patron des Lokals, den Repräsentanten – das ist Stanislaw Tillich (CDU), der Ministerpräsident. Beermann fühlt sich als der, der das Rezeptbuch in der Hand hält. Er ist "Staatsminister und Chef der Staatskanzlei", "CdS" nennen ihn die Untergebenen. "Die rechte und grobe Hand" des Regierungschefs nannte ihn einmal die Frankfurter Rundschau. In jedem Fall ist es sein Job, Tillich den Rücken freizuhalten, und das macht er kompromisslos. Er beschützt ihn.

Vielleicht weiß der Ministerpräsident das zu schätzen, vielleicht hat er deshalb beschlossen, Beermann einen schönen Karrieresprung in Aussicht zu stellen. Beermann ist seit sechs Jahren Staatskanzleichef, länger hat den Job in Sachsen noch keiner gemacht, viel länger kann man so einen Job wohl auch kaum machen. Nun soll Beermann nach Frankfurt wechseln. Ende des Jahres dürfte dort Rudolf Böhmler aus dem Vorstand der Bundesbank ausscheiden. Beermann, so haben er und Tillich sich das überlegt, könnte dessen Nachfolger werden.

Mit dieser Idee begann der Schlamassel.

Zuständig dafür, den Posten, dotiert mit einem Gehalt von 250 000 Euro im Jahr, neu zu besetzen, ist der Bundesrat. Das Recht darauf, eine Person zu nominieren, rotiert unter den Ländern – diesmal sind Thüringen und Sachsen an der Reihe. Seine Thüringer CDU-Kollegin Christine Lieberknecht hat Tillich für die Idee schnell gewonnen. Der Finanzausschuss des Bundesrates, in dem sämtliche Länder-Finanzminister versammelt sind, hätte die Personalie demnach Ende Juni auf die Tagesordnung des Bundesratsplenums setzen müssen.

Aber Tillich und Lieberknecht hatten ihre Rechnung ohne die SPD gemacht, ohne jenen Teil der SPD, der in Erfurt mit Lieberknecht regiert. Thüringens Sozialdemokraten fühlten sich übergangen. Und sie hatten Bedenken gegen die Personalie. Gegen Beermann. Sie brachten die anderen SPD-Finanzminister der Republik dazu, den Beermann-Vorschlag im Finanzausschuss zu vertagen. Vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen hat Beermann nun keine Chance mehr, im Bundesrat gewählt zu werden. Und auch danach kann er sich keineswegs darauf verlassen.

Über eine so wichtige Personalie könne man "nicht handstreichartig entscheiden. Das ist eines der wichtigsten Ämter, die wir im Bundesrat zu vergeben haben." Das sagt Christoph Matschie, Thüringens Kultusminister und SPD-Chef. Der Spiegel zitierte gar eine anonyme Quelle in Thüringens SPD mit den Worten, man dürfe die Bundesbank nicht "zur Bad Bank für Versorgungsfälle" machen. Für Versorgungsfälle wie Beermann, sollte das heißen. Für Beermann bedeutet es, dass plötzlich die Frage im Raum steht: Wäre er nicht der Falsche für ein Amt, in dem neben Fachkenntnis eher bella figura erwartet wird – und weniger ein Bulldozer-Führerschein?

Den Bulldozer beherrscht Beermann. Er ist laut, aufbrausend, polternd, wenig zimperlich. Das Gegenteil von Stanislaw Tillich, dem Stillen. Beermann ist ein Polit-Rowdy. Seit Anfang der neunziger Jahre sollen sich Beermann und Tillich kennen. Beermann kam damals nach Sachsen, half beim Aufbau der Ministerialbürokratie. Er ging später noch nach Bremen und Hessen, aber das Band nach Dresden hielt. 1999 wurde Beermann Bevollmächtigter Hessens beim Bund – zur gleichen Zeit, in der Tillich dieses Amt für Sachsen innehatte. Damals entstand wohl ein tiefes Vertrauen zwischen dem sorbischen und dem westfälischen Katholiken. Als Tillich 2008 Regierungschef wurde, holte er Beermann sogleich.