Im Himmel, oder eher kurz unterhalb des Himmels, oder sogar ein ganz beträchtliches Stück unterhalb, ja im Grunde nicht im Himmel, sondern in beunruhigender Nähe zur Erde, in einer Höhe zwischen 152 und 457 Metern, konnte man ihn in den Jahrzehnten des Ost-West-Konflikts fast täglich hören: den Krieg. Den Krieg, wie er beginnen würde, falls die Welt aus dem Gleichgewicht des Schreckens geriet.

Das Geräusch tauchte plötzlich auf. Ein rasant anschwellendes aggressives Rauschen, die Reibung zwischen Stahl und stahlharter Luft bei 800 Stundenkilometern und mehr. Strahltriebwerk, Turbinenlärm , und wenn ein Flieger in höheren Regionen Überschallgeschwindigkeit erreichte, klang es wie ein Donnerschlag. Überschall und Overkill. Fast überall in Westdeutschland schossen Kampfjets durch den Himmel – mehrere Zehntausend Mal im Jahr. Die Mauer stand. Die Schallmauer wurde ständig durchbrochen. Übungen für den Ernstfall.

Nach dem Einheitsfeuerwerk verschwand das Weltuntergangsgeräusch allmählich aus dem Luftraum. Hin und wieder aber wird noch immer tiefgeflogen über Deutschland. 900 Flugstunden unter 300 Meter sind für 2014 vorgesehen. Wer Ohrenzeuge wird, dem mag es vorkommen, als habe der Kalte Krieg akustisch nie geendet. Der Schall, diese Erinnerung an gerade erst Vergangenes, reist eben stets ein wenig hinterher.