Womöglich ist es unfreundlich, zu sagen, jemand habe ein Haifischlächeln. Holm Keller hat ein Haifischlächeln. Aber es ist inzwischen ohnehin ziemlich schwer, Keller unfreundlich zu kommen. Das haben in den vergangenen Monaten, ja Jahren, einige getan. "Selbstherrlich, selbstverliebt, größenwahnsinnig", so stand es in Blogs und der Presse, so sagten es Kritiker. Zumindest nach außen hin zeigt Keller einen Abhärtungseffekt.

Herr über die Heide, haben ihn Studenten genannt, und auch wenn das zunächst respektvoll klingt, war es als Ausdruck von Großherrschaft gemeint. Eine Bezeichnung, die wie kaum eine andere jene Ambivalenz zeigt, die das Verhältnis des Vizepräsidenten der Leuphana Universität zum Rest der Welt und das des Rests der Welt zum Vizepräsidenten kennzeichnet. Es gibt Leute, die behaupten, Holm Keller sei der meistgehasste Mann an der Leuphana Universität. Andere sagen, er sei ihr größter Star. Dazwischen, so scheint es, gibt es nichts.

Keller zeigt sein Haifischlächeln gleich bei der ersten Frage. Er empfängt in seinem Büro, einem schlichten Raum mit einer Glastür, die er offen stehen lässt, ganz so, als wolle er zeigen: Wir haben nichts zu verbergen. Ein bisschen Small Talk über das Wetter, dann fragt er: "Haben Sie schon die Baustelle des Zentralgebäudes gesehen?" Natürlich, dafür sei man ja hier, um über die mit dem Bau verbundenen Unregelmäßigkeiten zu reden. "Welche Unregelmäßigkeiten?", fragt Keller – kleines Haifischlächeln. Es gebe keine Unregelmäßigkeiten. Im Übrigen lasse man zurzeit alle Medien abmahnen, die falsche Behauptungen über ihn oder über die Vergabe- und Antragsverfahren des Libeskind-Baus aufstellten – großes Haifischlächeln.

Daniel Libeskind ist ein amerikanischer Stararchitekt. Er hat die Pläne für das neue Zentralgebäude der Leuphana-Universität in Lüneburg entworfen, dessen Baukosten von 54 Millionen Euro auf aktuell 76 Millionen stiegen und womöglich auch noch die 100-Millionen-Marke übersteigen werden. So jedenfalls stellte es bei einer Prüfung der Bauunterlagen im Januar die Oberfinanzdirektion Niedersachsen fest und legte eine lange Liste von Mängeln und Versäumnissen in der Planung vor. Der Planungsstand sei unvollständig dokumentiert und weise massive Lücken auf, hieß es. Drei Monate später zog der Landesrechnungshof nach und bestätigte alle Kritikpunkte.

Seither brennt es in der Heide, und alle Wut über das Audimax, das wie ein verknülltes Ufo aus dem Boden wächst, macht sich an Holm Keller fest. Ausgeheckt hat diesen Bau zwar die gesamte Universitätsleitung, doch die Gelder besorgt, die Deals eingefädelt hat Keller. Holm Keller ist seit 2006 im Amt und zuständig für Organisationsentwicklung und Haushalt.

Wer ist dieser Mann?

Holm Keller war Theaterdramaturg und Unternehmensberater. Er ist mit Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein befreundet und mit Libeskind sowieso. Keller kennt Hinz und Kunz. Sein weitverzweigtes Netzwerk macht ihn zum perfekten Mann für die Akquise von Geldern.

Die 54 Millionen Euro, die der Libeskind-Bau zunächst kosten sollte, hatte er schnell zusammen. Mit dabei: das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das die energieoptimierte Bauweise des Audimax fördert. Die Stadt Lüneburg, die durch die Leuphana Glanz und infrastrukturelle Aufwertung erfahren will. Die Europäische Union. Der Landkreis. Kirchen. Eine mit Libeskind und Keller befreundete Firma. Und die damalige niedersächsische Landesregierung unter ihrem Ministerpräsidenten Christian Wulff und der Ministerin für Wissenschaft und Kultur, heute Bundesbildungsministerin, Johanna Wanka. Auch private Sponsoren trugen zur Finanzierung bei.

Dass es in einer Hochschullandschaft, in der viel gejammert wird über Finanzknappheit und Lücken, ausgerechnet einer kleinen Heideuniversität mit 8.000 Studenten gelingt, das womöglich futuristischste Uni-Gebäude des Kontinents bauen zu lassen ... wow!