Heute kauft man keine Computer mehr. Man lässt auch keine Badewannen mehr einbauen oder beauftragt Umzugshelfer. Man erwirbt "Lösungen". Oder, wie es auf Neudeutsch heißt: Solutions. Beispielsweise IT-, Wellness- oder Logistik-Solutions. Hört sich viel besser an, gell? Das Wort Solutions findet sich auf Webseiten und Briefpapieren, in Werbebroschüren und sogar riesengroß an den Bürogebäuden mancher Unternehmen, direkt unter dem Firmennamen. Solutions ist eines der Lieblingsworte jener Anzugträger, die irgendwer irgendwann einmal zutreffend als Businesskasper bezeichnet hat.

Dumm nur, dass "Lösungen" in den allermeisten Fällen ein Angebot darstellen, das komplett am Markt vorbeigeplant wurde. Es gibt nämlich kaum eine Nachfrage nach "Lösungen". Fragt man jene Businesskasper, die ständig von Solutions reden, was eigentlich ihr Problem sei, erzählen sie einem unter Garantie: Wir kennen keine Probleme, nur Herausforderungen! Achten Sie mal drauf. Wenn diese Typen recht haben, kann das nur bedeuten, dass an Lösungen zwar kein Mangel herrscht, Probleme allerdings so knapp sind wie Wasser in der Sahara.

Herausforderungen kann man nicht lösen. Nur meistern. Oder annehmen. Doch Meisterungen oder Annahmen sind nirgendwo zu finden, außer bei der Paketannahme der Deutschen Post, wohin sich Kunden mit Versandherausforderungen wenden können.

Insofern wirft das Deutsch der Businesskasper ein erschreckendes Schlaglicht auf den Zustand des Landes: Es kennt zwar keine ungelösten Probleme, muss sich allerdings mit zahlreichen unproblematischen Lösungen herumschlagen. Was wiederum eine echte Herausforderung darstellt.