Das wird an Wladimir Putin für immer haften bleiben. Uniformierte Separatisten, besoffen von geraubtem Whisky, die Geldbörsen der Toten durchwühlend, ausgerüstet mit den Handys der Absturzopfer und mit Schusswaffen aus russischen Beständen: So sehen Putins Sturmtruppen in der Ostukraine also aus.

Auf sie blickt die Welt. Die Niederländer schauen auf sie, die Australier, die Malaysier, die vielen anderen Völker, die um ihre Angehörigen trauern, die an Bord des Flugs MH17 saßen.

Der Absturz der malaysischen Passagiermaschine am Donnerstag der vergangenen Woche und das Geschehen auf dem Leichenfeld bilden ein Ereignis, das in die Geschichtsbücher eingehen wird. Als ein Markstein auf Russlands Flucht in die Aggression: Der einstige "Sicherheitspartner" der Nato will die Landkarte verändern. Sein Präsident Putin spielt diese Partie mit vollem Risiko und nimmt die internationale Isolierung in Kauf.

Schon das Geschehen am Unglücksort spricht eine deutliche Sprache. Auf ukrainischem Boden gelegen, gehört er zu Putins Machtbereich. Hier regieren die Separatisten. Sie haben alle internationalen Regeln verletzt, die für den Umgang mit Wracks und Leichenteilen gelten. Sie haben an Trümmern, Gegenständen, Überresten manipuliert, während Putin versprach, eine internationale Untersuchung der Katastrophe zu unterstützen.

Montagabend, ein Uhr nachts in Donezk, tief im Osten der Ukraine. Mehr als zwei Stunden lang haben malaysische Luftfahrtexperten mit den örtlichen Separatisten über die Herausgabe der Flugschreiber verhandelt. Es geht um zwei orangefarbene Kästen, und es geht um Weltpolitik, nämlich um die Frage, ob der Abschuss doch noch von unabhängigen Experten untersucht wird. Dass es ein Abschuss war, das ist wahrscheinlich. Etliche Trümmer weisen eine Vielzahl kleiner Löcher auf – charakteristisch für die Explosion einer Rakete.

Das Hauptquartier der Separatisten wird von Schwerbewaffneten bewacht, im Erdgeschoss liegen Blumen für getötete Kämpfer, drei Stockwerke höher stehen ein paar Molotowcocktails vergessen herum. Im elften Stock erscheint jetzt Alexander Borodaj, russischer Staatsbürger und selbst ernannter Premier der selbst ernannten Donezker Volksrepublik. Stolz unterschreibt er mit den Malaysiern ein Dokument und verkauft sich als großer Freund der unabhängigen Untersuchung. Man sei über die Anwesenheit der Beobachter froh. Es sei hoffentlich klar, dass die Rebellen nicht die Mittel hätten, ein Passagierflugzeug abzuschießen. Dass die Schuldigen in Kiew säßen. "Das hier ist ein Informationskrieg", sagt Borodaj noch, und das ist vielleicht der einzige wahre Satz, den er in dieser Nacht von sich gibt.

Hätte es den weltweiten Druck auf Putin nicht gegeben, die Flugschreiber wären wohl russischen Experten übergeben worden. Nicht vergessen ist, wie die Separatisten in den Tagen zuvor mit den anwesenden OSZE-Beobachtern umsprangen, die seit März den Konflikt dokumentieren. Sie wurden in den ersten Tagen, wenn sie sich der Unglücksstelle näherten, von Männern mit Kalaschnikows eingeschüchtert und an der Arbeit gehindert. Vom Rand des Leichenfeldes aus war ein Abschleppwagen zu sehen, der Wrackteile bewegte, obwohl bis zum Eintreffen forensischer Experten nichts hätte angerührt werden dürfen.

Hier in Hrabowo, einem Dorf mit 900 Häusern, existiert kein Staatsapparat mehr – es waren örtliche Rettungskräfte und Bergarbeiter, die am Unglücksort Hilfe leisteten. Von der Schicht kommend, durchsuchten Arbeiter mit verrußten Gesichtern die Felder und sammelten Leichen oder Körperteile ein.