Es ist wohl ein gemischtes Vergnügen, durch eine Niederlage "unsterblich" zu werden. So war es beim Sowjetrussen Boris Spasski, als er 1972 in Reykjavík auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs dem Amerikaner Bobby Fischer im "Jahrhundert-Match" unterlag, dies geschah Lionel Kieseritzky 1851 in London, als ihn Adolf Anderssen in der "Unsterblichen Partie" mit einem Feuerwerk an Opfern, darunter Dame und beide Türme, mit seinem letzten Aufgebot matt setzte.

Nun widerfuhr auch dem Russen Jewgeni Wasjukow bei der Europamannschaftsmeisterschaft der Senioren in Kroatien diese zweifelhafte Ehre.

Ich war dabei, als der sechsfache Moskauer Meister 1974 in Manila ein riesenstarkes Turnier vor Petrosjan, Larsen et cetera gewann, ich war dabei, als wir – er als Sekundant Karpows, ich als Berichterstatter fürs Fernsehen – während des ersten WM-Kampfs Karpow – Kasparow 1984 in Karpows Datscha außerhalb Moskaus Borschtsch aßen und uns über die gesundheitlichen Belastungen eines solch langen Matches unterhielten; der damals noch schmächtige Karpow verlor dabei fünf bis sechs Kilo an Gewicht. Ich war allerdings nicht dabei, als er dieselbe Frau drei Mal heiratete, wie mir Karpow schmunzelnd erzählte – das muss ihm erst einmal einer nachmachen.

Und so schön verlieren kann auch nicht jeder: Mit welch prächtiger Opferkombination schuf der Kroate Mišo Cebalo als Weißer in nur 13 Zügen seine ureigene "Unsterbliche"?

Lösung aus Nr. 30:

Weiß drohte mit 1.Dh8+ Kg6 2.Td1-d6 sofort zu gewinnen, doch Schwarz fand ein wunderschönes, dreizügiges "Gegenmatt". Wie? Das Turmopfer 1...Th1+! zwang den weißen König mit 2.Kxh1 in die verhängnisvolle Diagonale e4-h1 des Läufers, sodass 2...Dh3+! (der Bauer g2 ist nun gefesselt) 3.Kg1 Dxg2 matt ergab