In Hamburg darf es nicht regnen, es ist dann kein Taxi zu kriegen. Das brauchte man aber dringend, denn es regnet ja. Kommt man endlich bei einer der drei Taxitelefonzentralen durch, so heißt es, Wartezeit eine halbe Stunde – aber ohne Garantie, schließlich regnet es. Da hat man aber schon eine halbe Stunde am Telefon zugebracht, das Besetztzeichen verfluchend und fast durchdrehend bei der Vorstellung, dass in diesem Augenblick Hunderte andere genau das Gleiche tun.

New York bei Regen ist taximäßig noch schlimmer als Hamburg bei Regen, aber dort kann man auf die Straße stürzen, mit den Armen wedeln, und die Chance besteht, dass tatsächlich ein Wagen anhält, und sei es nur, weil der Fahrer endlich mal das Bild von einem Irren auf Facebook hochladen will. In Hamburg ist die Chance größer, überfahren zu werden.

So wartet man zähneknirschend auf das Taxi. Woran es liegt, dass es so lange dauert?

Bei den Taxiverbänden sagt man: Schuld sind die Kunden. Sie seien unberechenbar. Kaum entleert sich eine Wolkenfront über der Stadt, steigt bei Hansa-Taxi, der größten Taxizentrale, die Zahl der Anfragen explosionsartig von 14.000 pro Tag auf 17.000 – die Zahl der Taxis dagegen bleibt dummerweise gleich.

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Obendrein fahren die Hamburger Autofahrer bei Regenwetter auf einmal viel langsamer, erklärt Michael Hakan Erdogan vom Landesverband der Hamburger Taxiunternehmer. Sie schleichen förmlich, und so braucht man als Taxifahrer für eine Tour, die bei Sonne nur fünf Minuten dauert, auf einmal eine Viertelstunde. Ob es in der Hansestadt so viele defekte Scheibenwischer gibt, ob das schlechte Wetter den Autofahrern Angst macht oder ob die Hamburger ihren Regen so lieben – niemand weiß es.

Könnte die Lösung nicht darin bestehen, mehr Taxis auf die Straßen zu bringen, zumindest bis die Bevölkerung gelernt hat, sich bei Regen angemessener zu verhalten?

"Schwierig!", seufzen die Verbände. Mit 3.358 Wagen, einer Quote von einem Auto auf 536 Einwohner, rangiert Hamburg, was die Taxidichte angeht, hinter München und Berlin, aber vor Stuttgart und Köln. Gäbe es mehr Taxis, wäre das bei schlechtem Wetter zwar schön für die Kunden, bei schönem Wetter aber schlecht für die Fahrer. Denn dann sinkt die Nachfrage, und alle verdienen im Schnitt weniger. Wer mehr Taxis möchte, wenn es regnet, sollte also öfter eins rufen, wenn die Sonne scheint. Was im Moment auf das Gleiche hinausläuft, wie wenn man ein Taxi bei Regen ruft. Denn wenn es dann endlich kommt, regnet es nicht mehr.