Der Hafen und der HSV. An guten Tagen sind das zwei Dinge, die viele Hamburger stolz machen. Der Fußballclub hat sich vor Kurzem in einen langfristigen Reformprozess gestürzt. Zuvor haben die Mitglieder für HSVplus gestimmt. Der Investor Klaus-Michael Kühne hatte mit Millionenbeträgen dafür geworben. Das ist interessant. Denn im Hafen passiert nun etwas Ähnliches.

Wenn die Bürger des Bezirks Mitte bis zum 24. August für die Seilbahn über die Elbe stimmen, wollen Hersteller und Betreiber zehn Millionen Euro an die Stadt spenden, einfach so, zur freien Verfügung. Wow. Das Geld kann Hamburg gut gebrauchen. Man könnte dieses Winken mit Millionen als sittenlos empfinden: Wenn ihr für meine Idee stimmt, investiere ich für euer Wohl. Gehört sich das? Bestechung? Ein unmoralisches Angebot?

Natürlich, genau das ist es. Nur: Jeder Wahlkampf und viele menschliche Beziehungen funktionieren nach demselben Muster: Wenn du das Fahrrad reparierst, lade ich dich zum Essen ein. Das ist bekannt, auch in der Politik. Trotzdem distanzierte sich Bezirksamtsleiter Andy Grote, SPD, sofort: Es dürfe nicht der geringste Anschein entstehen, dass man durch Spenden Verwaltungsentscheidungen herbeiführen könne. So ist es aber, wenn die Verwaltung nicht entscheiden will, sondern das den Bürgern überlässt.

Interessant ist aber nicht nur die Moral, die oft nach der Rechnung kommt. Im Kern geht es um die Frage, ob das eine gute Idee ist: eine Seilbahn in der Stadt. Eine Bahn, die vor allem Musicalgäste auf ihre Theaterplätze gondelt, hilft Hamburg nicht. Ein neuer Verkehrsweg, der die Stadt attraktiver macht, schon. Das Thema ist komplex und wichtig. Warum dürfen darüber nur die Bürger eines Bezirks entscheiden – und nicht alle Hamburger? Der Senat hat es sich damit zu leicht gemacht.

Beim HSV hat Kühne seinen Einsatz nun um 17 Millionen erhöht, der Mäzen zahlt, ein Nationalspieler kommt, die Fans freuen sich. Aber eine Stadt ist kein Fußballverein. Bei einem zentralen Bauprojekt wie der Seilbahn läuft es nicht so einfach.