Zwei bis etwa 20 Tage dauert es, bis sich Ebola bemerkbar macht. Die ersten Anzeichen können Fieber oder Kopfschmerzen sein. Danach löst das Virus innere und äußere Blutungen aus. Dann kommt meist der Tod. Seit Ende März breitet sich die Epidemie in Westafrika aus. Annähernd 800 Menschen starben bereits. Doch durch eine angemessene medizinische Behandlung kann der Krankheitsverlauf gemildert, manchmal sogar verhindert werden.

Das Hamburger Universitätsklinikum gilt als exzellenter Behandlungsort. Dort gibt es seit 2010 eine Sonderisolierstation mit drei Behandlungszimmern, die über ein gesondertes Schleusensystem verfügen. Ein Team aus Fachärzten steht jederzeit bereit. Das Klinikum arbeitet zudem mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin zusammen. In dieser Kombination sind die Einrichtungen führend im Bereich der Erforschung und Behandlung von Infektionskrankheiten. Professor Stephan Günther, Leiter der Virologie am Bernhard-Nocht-Institut, firmiert als Entdecker des Zaire-Ebola-Stammes, der die jetzige Seuche auslöste. Günther flog im März mit einem internationalen Team und einem mobilen Labor nach Guinea und identifizierte den dortigen Seuchenausbruch.

Aus wissenschaftlicher Sicht hätten die Spezialisten am Hamburger Universitätsklinikum die Ankunft und Behandlung von Ebola-Patienten in Hamburg begrüßt. Doch dazu wird es nicht kommen. Noch in der vergangenen Woche hatte es zwei Anfragen für Behandlungen gegeben: eine vom Ebola-Arzt Sheik Umar Khan aus Sierra Leone, der dann aber am vergangenen Dienstag starb. Die andere wohl vom amerikanischen Arzt Kent Brantley, der nun in seinem Heimatland behandelt wird. In Hamburg bereitet man sich nicht weiter auf Patienten vor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe keine anderen Anfragen an das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gerichtet, teilte die Klinik mit.

Dass kein Erkrankter in Hamburg behandelt wird, obwohl die Seuche nach Auskunft von Ärzte ohne Grenzen "außer Kontrolle" ist, liegt auch an der Natur von Ebola. Der Gesundheitszustand des Patienten verschlechtert sich nach der Infektion rapide, was einen Transport schwierig macht. Zudem ist das Misstrauen gegen eine Behandlung im Ausland groß, da auch dort die Überlebenschance nur bei 10 Prozent liegt. Viele Erkrankte konsultieren in Westafrika lieber traditionelle Heiler.

Vorurteile über Ebola sind jedoch nicht auf Afrika beschränkt. Alleine die Ankündigung, Hamburg wolle Ebola-Patienten aufnehmen, führte in den vergangenen Tagen zum Bürgerprotest. In Leserkommentaren im Netz hieß es, dass Hamburg demnächst ebenfalls verseucht werde. Mancher plädierte gar für die Schließung aller Grenzen.