Was ist für den Stadtbewohner von heute, der nicht mehr daran denkt, endlich in den Speckgürtel zu ziehen, der Gipfel an Lebensqualität? Natürlich wenn man ihm auch noch die Natur in die Stadt holt. Am besten einen See, befand Meinhard von Gerkan, der als Architekt eine komplette City entwarf, für 800.000 Einwohner südlich von Shanghai. In deren Mitte: ein Traum von See mit Promenade, Grün, Badestrand und klarem Wasser. Vorbild, kaum zu glauben, war die Außenalster. Dort allerdings gibt es weder Badestrand noch klares Wasser, und wer dort schwimmt, erlebt eher einen Alptraum, wenn ein Drachenboot samt brüllender Besatzung ihn nur knapp verfehlt. Anders als der chinesische Nachbau ist die Alster kein Badegewässer. Das muss sich ändern, glaubt der Rechtsanwalt und Bürgerschaftsabgeordnete Walter Scheuerl. Und tatsächlich, es hätte was: Ein riesiges Badeparadies mitten in der Stadt, mit Grün und Badestrand! Hamburger: Vergesst die Staus auf der Autobahn, den Ärger mit dem Übergepäck am Flughafen, vergesst Scharbeutz, Sylt, Barcelona!

Badequalität hat das Alsterwasser nämlich auch schon, eigentlich. Das Problem ist die Sicht. Die reicht nur 20 Zentimeter weit, für Badegewässer vorgeschrieben ist ein Meter, damit man Ertrinkende noch sehen und retten kann. Schuld sei der Schlick auf dem Grund, sagt Scheuerl, der werde von den Fähren aufgewirbelt. Die Lösung: ausbaggern. Und ist es nicht auch Zeit, den ganzen Müll, Kühlschränke, Fahrräder und wahrscheinlich diverse Waffen und Skelette endlich mal da rauszuholen?

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Nette Idee, seufzt Magnus-Sebastian Kutz von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Aber wenn die Alster zum Areal für Schwimmer würde: wohin mit den Seglern und Ruderern – etwa in die tückische Elbe? Und das Wasser sei auch deshalb trübe, weil Sedimente über den Alsterlauf eingeschwemmt würden. Dazu ab und an Düngemittel, bei Starkregen manchmal Abwasser aus der Kanalisation. Dies befördert, wie gerade wieder, das Wachstum von Blaualgen, der Tod jedes Badesees.

Und neue Kläranlagen ...? Kutz sagt etwas von unglaublichen Kosten. Also aus der Traum von der Hamburger Copacabana? Schon 2007 hatte der damalige Bürgermeister Ole von Beust ein Konzept, das diese Probleme umschiffte: am Schwanenwik sollten Badeschuten verankert werden. Bei vier Millionen Euro Kosten befand der Senat, Freizeitwert hin und her, das sei zu viel. Und dann, aber das ist natürlich eine andere Geschichte, baute man die Elbphilharmonie weiter.