Neulich gab es wieder eine Studie zum Stand der Gleichberechtigung. Das Ergebnis war so überraschend wie Regen im April: Frauen verdienen immer noch weniger als Männer und sitzen deutlich seltener im Chefsessel. An diesem misslichen Umstand konnten alle Quotenregelungen, Vätermonate und Frauenförderungsprogramme der jüngeren Vergangenheit bislang wenig ändern. Aber vielleicht setzen die ganzen Werkzeuge aus der Genderkammer eben einfach am falschen Ende an.

Feministinnen predigen schon lange, dass das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern nicht erst im Büroalltag, sondern bereits im Kinderzimmer begründet werde. Solange Mädchen ihre Zeit damit verbrächten, in der pinkfarbenen Barbiehölle Puppen zu betüdeln, statt wie die Jungs mit Bauklotz und Motoren die Führung eines Technologiekonzerns schon im Vorschulalter einzuüben, ändere sich auch nichts an der Ungleichheit in der Berufswelt. Die gute Nachricht lautet nun: Im Kinderzimmer regt sich Widerstand.

Vor einigen Monaten schrieb eine siebenjährige Amerikanerin namens Charlotte Benjamin einen Brief an die dänische Firma Lego, der sich im Netz verbreitete. Sie beschwerte sich, dass es im Sortiment des Spielzeugherstellers viel mehr Jungs- als Mädchenfiguren gebe und dass diese immer nur zu Hause, beim Shoppen oder am Strand seien. Die Jungsfiguren hingegen retteten Menschen, schwömmen mit Haien und gingen zur Arbeit. Ihr handgekritzeltes Schreiben schloss Charlotte mit dem Appell: "Ich will, dass Ihr mehr Lego-Mädchen schafft und sie Abenteuer erleben und Spaß haben lasst, ok!?!"

Zum Glück hatte sich andernorts ein erwachsenes Mädchen genau diesem Problem gewidmet. Die niederländische Geochemikerin und Lego-Freundin Ellen Kooijman entwickelte für die Firma Frauenfiguren in vermeintlichen Männerberufen: eine Paläontologin, die das Skelett eines Tyrannosaurus Rex inspiziert; eine Astronomin mit Teleskop und Sternenkarte; und eine Chemikerin, die in ihrem Labor bestimmt gerade das Heilmittel gegen Krebs entwickelt. In den USA ist das neue Lego-Set bereits ausverkauft.

Andere Spielzeughersteller könnten sich ein Beispiel nehmen. Ist es etwa noch zeitgemäß, dass Schlumpfine die einzige Frau im Schlumpfdorf ist? Wir fordern neben Papa auch eine Mama Schlumpf! Und verdienen soll sie, bitte schön, genauso viel wie ihr männliches Pendant.