Das Schwanzdeck? Davon hat Steven Matthew Brown noch nie gehört – sehr zur Überraschung seiner Mitreisenden. Der 34-jährige Autor ist zum ersten Mal auf einer Schwulen-Kreuzfahrt, sieben Tage von Kalifornien nach Mexiko.

Er teilt sich die Kabine mit Stan, einem Polen, der zum 13. Mal an so einer Reise teilnimmt – und längst weiß, dass das oberste Deck der Splendor, auf dem ein Minigolfplatz tagsüber für Ablenkung sorgt, nachts zum Treffpunkt mutiert. Mit Neugier und Skepsis beobachtet der Neuling Brown die 3.000 feierwütigen Passagiere aus der Warte eines homosexuellen Mannes, der in einer monogamen Beziehung lebt.

Er unterhält sich mit Mitreisenden, erfährt von Sehnsüchten, Enttäuschungen, beschreibt Orgien, Mottopartys oder Tagesausflüge mit Distanz und Ironie. Es kommt zu hinreißenden Szenen, etwa als der heterosexuelle Moderator einer Kuppelshow seinen Gästen peinliche Fragen stellt: "Bist du ein power bottom?" Eine persönliche Reportage, die an das Kreuzfahrtbuch des Autors David Foster Wallace erinnert, dessen Titel übrigens auch das Resümee von Browns Erlebnissen sein könnte: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich