Zwei Euro am Tag, 20 Euro im Monat, 200 Euro im Jahr. Pendler-Abzocke!, echauffierte sich die Bild. Und freute sich tags darauf: Boykott! "Die Autofahrer aus Hamburg und dem Umland bremsen die Pläne des Senats einfach aus!" Ein Sommer-Aufreger.

Was war passiert? Seit Ende Juli müssen Pendler mit HVV-Ticket auf zehn von vierzig Hamburger Park-and-ride-Anlagen Gebühren zahlen. Das kam nicht wirklich überraschend. Der Senat hatte die Gebühren bereits im vergangenen Jahr beschlossen und zudem Mitte Juli auf den betroffenen Parkplätzen Info-Flugblätter verteilt.

Doch als die Pendler nun vor den Schranken der Parkhäuser und an den neuen Parkautomaten standen, brach die Wut sich Bahn (wer bei den Temperaturen arbeiten muss, ist ja von Natur aus gut erhitzt). Bezahlen müssen, wenn man parken will, das ist nicht neu. Aber bezahlen, wenn man parken will, um die Dienstleistung eines Unternehmens (des HVV) in Anspruch zu nehmen, für die man doch schon bezahlt hat? Das wollte manchem nicht in den Kopf.

Pendler erklären mürrisch, ihr Auto nun gegenüber den Parkhäusern abzustellen – zum Unmut der Anwohner. Wer die Gebühren auf sich nimmt, murrt ebenfalls. Die sichtbarste Folge der Debatte: An manchen Wochentagen bleibt gut ein Drittel der nunmehr kostenpflichtigen Stellplätze leer – selbst in Anlagen, in denen sonst die verfügbaren Parkflächen nie ausgereicht hatten. Allein die Sommerferien können da nicht als Erklärung herhalten. Die Kleingewerbetreibenden in Bahnhofsimbissen und Bäckereien zeigten sich sogleich besorgt. Weniger Pendler, das bedeutet weniger Menschen, die Kaffeedurst oder Brötchenhunger haben.

Die SPD verteidigt ihre unbeliebte Maßnahme vehement. Die Parkplätze würden schließlich saniert, das Wohlgefühl für Mensch und Auto werde dadurch gesteigert. Gerade für Frauen seien dunkle Parkhäuser Angsträume, sagt etwa Martina Koeppen, Fachsprecherin für Verkehr der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Die kostenpflichtigen Parkplätze hätten Lampen und Kameras.

Die CDU wittert dagegen "Abzocke". Klaus-Peter Hesse, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion und exponierter Freund der Hamburger Autofahrer, freut sich zwar, dass neue Park-and-ride-Anlagen im Umland gebaut werden sollen, vor allem in Erwartung von Staus in Zeiten der A-7-Bauarbeiten, doch da hört das Lob auch schon auf. Die SPD habe bisher nichts für Autofahrer getan. "Es ist zudem immer noch nicht geklärt, ob sich zukünftig der Parkdruck im Umfeld der Anlagen erhöht", stellt Hesse fest. Und fährt fort: "Damit konterkariert der Senat seine Ziele, Autofahrer frühzeitig zum Umsteigen auf Busse und Bahnen zu bewegen."

Und während die Politik noch streitet, müssen die 365 000 Hamburger Pendler nun abwägen, ob es besser ist, zu zahlen oder mit dem Auto bis in die Innenstadt respektive zum nächsten kostenfreien Park-and-ride zu brettern, um dort einen günstigen Parkplatz zu ergattern. Spätestens in drei Jahren ist aber auch das vorbei. Dann sollen alle Park-and-ride-Plätze modernisiert sein und Geld kosten. Der Senat verspricht sich davon 1,5 Millionen Euro jährliche Einnahmen. Bislang kostete der Unterhalt der Park-and-ride-Anlagen die Stadt 500 000 Euro im Jahr.

Bleibt nur ein Problem: Der Kauf eines Parktickets berechtigt nicht automatisch zum Parken. Ist der Platz voll, ist er voll, auch wenn einer ein Jahresticket hat.