Natürlich ist das ein Zeichen, doch was nun? Am vorigen Freitag erschien ein offener Brief an das Versandhaus Amazon in der New York Times. Eine ganze Seite, unterzeichnet von rund 900 Autoren, unter anderem von Paul Auster, Donna Tartt und Stephen King. Verfasst hat das Schreiben der Thrillerautor Douglas Preston. Darin wirft er dem Konzern unter anderem vor, Autoren mutwillig zu boykottieren und damit deren Existenzgrundlage zu gefährden. Der Brief markiert die nächste Eskalationsstufe eines seit Monaten schwelenden Streits zwischen Amazon und dem Verlagshaus Hachette, dessen E-Books Amazon zu deutlich niedrigeren Preisen verkaufen will. Nachdem Hachette nicht zustimmte, konnten Amazon-Kunden Tausende Bücher des Verlags nicht mehr vorbestellen, für etliche gedruckte Titel verlängerten sich die Lieferzeiten. Ein Machtmittel, mit dem Amazon schon öfter operierte, um Unternehmen seine Vertragskonditionen zu diktieren. Zuletzt strich der Internethändler Filme von Warner Bros. aus seinem Programm, ähnlich bestrafte Amazon jüngst Disney.

Amazon weiß, wie abhängig inzwischen der amerikanische Buchmarkt von ihm ist. Der Marktanteil liegt bei etwa 40 Prozent, und so erklärt sich einerseits die verständliche Wut der Autoren, andererseits auch ihre Ohnmacht: Sie können nicht mehr ohne Amazon. Und wollten sie den Konzern boykottieren, schadeten sie sich vermutlich mehr als dem Unternehmen. Das ist Amazon bewusst, darauf gründet sich das monopolistische Gebaren.

"Viele von uns haben Amazon unterstützt, als es noch ein Start-up war", schreibt Preston, doch was erwartet er eigentlich von dem Händler? Dankbarkeit? Es wäre naiv, den Konzern mit einem Buchhändler zu verwechseln, dem etwas am ideellen Wert seiner Ware liegt. In Amazons Antwort auf die Schriftsteller heißt es denn auch marktradikal und unmissverständlich: "Bücher konkurrieren mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, kostenlosen Nachrichten-Websites und mehr." Mit anderen Worten: Bücher sind auch nichts anderes als Bohrmaschinen und Klappstühle. Wohl kein Schriftsteller wird an diesem Renditedenken etwas ändern. Nur die Kunden könnten es, und zwar ganz einfach: indem sie ihre Bücher anderswo bestellen.