Es war ein schrecklicher Tag. Am Dienstag, dem 1. September 1964, stand ich in Madrid vor Gericht, und zwar vor dem Militärgericht in der Calle del Reloj, Aktenzeichen 1154-64. Die Anklage lautete auf "Mordversuch und Terrorismus". Achtzehn Tage zuvor hatte die spanische Geheimpolizei mich mit Plastiksprengstoff und Zündern aufgegriffen. Daraus sollte eine Bombe werden, mit der die Untergrundorganisation Defensa Interior Spaniens faschistischen Diktator, Generalissimo Franco, und seine engsten Vertrauten in der königlichen Loge des Bernabéu-Stadions während eines Fußballendspiels in die Luft sprengen wollte. Auf dieses Verbrechen stand die Hinrichtung durch die Garrotte, ein grauenhaftes Gerät, das mit einem eisernen Ring den Tod durch Ersticken herbeiführt.

Die brennende Septembersonne Madrids strömte durch die hohen Fenster in den düsteren Gerichtssaal und zeigte die polierten Messingknöpfe, die goldenen Schnüre und das schweißgetränkte Gesicht des Kavalleriemajors, der zwischen mir und den Richtern hin und her schritt. Er gestikulierte heftig und brüllte auf Spanisch. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was er da äußerte. Eine Übersetzung gab es für mich nicht. Ab und zu blieb der Major stehen, drehte sich mit dramatischer Geste um, zeigte auf mich und zischte etwas, das zweifellos von großer Bedeutung war. Aus purem Trotz und wie um mein Erstaunen darüber zum Ausdruck zu bringen, dass jemand mit mir und über mich in solcher Feindseligkeit sprechen konnte, drehte ich mich um, als dächte ich, er meine jemand anderen. Das einzige freundliche Gesicht, in das ich im Saal blickte, gehörte meiner Mutter, der einzigen anwesenden Frau. Ansonsten bestand die Öffentlichkeit aus Militärs, Geheimpolizisten, Vertretern von Francos faschistischer Presse und schwarz gewandeten Geistlichen. Zudem waren noch zwei britische Diplomaten zugegen, der Konsul und der Vizekonsul.

Zusammen mit meinem Mitangeklagten, Fernando Carballo Blanco, einem 40-jährigen spanischen Tischler, der kein Englisch sprach, verfolgte ich das Geschehen. Auf jeder Seite bewachten uns zwei bewaffnete Soldaten. Uns gegenüber an der Wand hing das riesige goldgerahmte Porträt eines spanischen Feldherrn in heroischer Siegerpose auf einem weißen Ross, umgeben von toten und sterbenden Besiegten: Generalissimo Francisco Franco Bahamonde. Er sah aus wie eine Mischung aus Oliver Cromwell und Torquemada, mit einem Schwert in der einen und einer heiligen Reliquie und den Zügeln in der anderen Hand. Vor dieser düsteren Allegorie saßen an einem Tisch elf mit Auszeichnungen übersäte Armeeoffiziere, jeweils fünf zu beiden Seiten des am üppigsten dekorierten, des Coronel Don Jesús Montes Martín. Jeder hatte sein Zeremonienschwert vor sich liegen. In der Ecke, an einem Tisch für sich, hatte der hochgewachsene Untersuchungsrichter seinen Platz, ein Mann mit blank poliertem kahlem Schädel und üppigem silbergrauem Schnurrbart. Zu meiner Linken stand der Tisch für den nervösen Dolmetscher, einen Hauptmann, dessen Aufgabe es war, alles zu übersetzen, was ich vielleicht dem Gericht zu sagen hatte – nicht umgekehrt. Daneben der Vertreter der Anklage, der gerade sein Plädoyer hielt. Zu meiner Rechten hatte mein unvorbereiteter und sichtlich eingeschüchterter Verteidiger Platz genommen, der von der britischen Botschaft verpflichtete zivile Anwalt Don Gabriel Luis Echevaria. Es war unwirklich. Als ob ich auf rätselhafte Weise in den letzten Akt einer Oper ohne Musik und dicke Dame versetzt worden wäre.

Später erfuhr ich, dass der Major erläutert hatte, wie seit dem Sieg der "Glorreichen Nationalbewegung" 1939 Spanien von innen und von außen durch die Aktivitäten anarchistischer Organisationen bedroht worden sei, die mit Bombe und Gewehr die spanische Ordnung und Sicherheit zerstören wollten – und ich sei einer der Agenten dieser Verschwörung zur Ermordung des spanischen Caudillo. Da ich die wütenden Wortwellen, die über mir zusammenschlugen, und die theatralischen Vorgänge um mich herum nicht verstehen konnte, stellte ich mir vor, wie ich durch das Fenster in die Freiheit sprang. Wenn ich es täte, würde dann unten ein Lastwagen stehen und meinen Sturz dämpfen und mich in die Freiheit tragen? Ich kehrte in die Wirklichkeit zurück und dachte nun über die komplizierten Einflüsse und Schicksalswege nach, die mich, keine acht Wochen nach meinem 18. Geburtstag, in diese furchtbare Lage gebracht hatten.

Ich wurde 1946 im Glasgower Stadtteil Partick geboren, als Sohn eines trinkfesten Fischers und einer Friseurin. Eines Tages ging mein Dad die legendären "Zigaretten kaufen" und ließ sich in den nächsten 20 Jahren nicht mehr blicken, deshalb wurde ich von meiner Mutter, meinem Großvater und meiner Respekt gebietenden Oma erzogen. Meine Großmutter hatte fast ihr Leben lang als Haushälterin gearbeitet. Sie war im Torhaus von Lochnaw Castle in Galloway aufgewachsen. Ihr ethisches Rüstzeug war zu gleichen Teilen geprägt vom schottischen Reformator John Knox und vom Ideal der Dorfgemeinschaft – womit sie mir ein moralisches Barometer vermachte, das dem des libertären Sozialismus und des Anarchismus perfekt entsprach. Das war der Stern, dem ich folgte und der mich auf engem, geradem Pfad hielt. Schon bald jedoch sollte dieser Pfad allerlei Kurven machen.

Als Lehrling in einem zahntechnischen Labor in Glasgow schloss ich mich den Jungen Sozialisten an. Ich blieb dort aber nur so lange, bis mir die Tricksereien der Labour Party und die parlamentarische Politik auf die Nerven gingen. Es waren die frühen sechziger Jahre, und die USA hatten im schottischen Meeresarm Holy Loch Atom-U-Boote vom Typ Polaris stationiert. Ich trat dem "Komitee der Hundert" bei, das die Entfernung dieser U-Boote durch direkte Aktionen durchsetzen wollte. Damals war die Vorstellung einer Revolution in Schottland sehr lebendig. Seit den fünfziger Jahren hatte sich das Land radikalisiert: Es gab Satire und Rockmusik, und die Kommunistische Partei verlor ihre Glaubwürdigkeit.

Von noch größerem Einfluss war die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg. Die antifaschistische Sache hatte ein Vierteljahrhundert zuvor viele meiner Landsleute dazu gebracht, sich den Internationalen Brigaden und den Volksmilizen anzuschließen. In der starken anarchistischen Tradition innerhalb der Arbeiterklasse des schottischen Industriegürtels blieben die Leiden und Leistungen der Revolutionäre in Spanien zwischen 1936 und 1939 als Legenden präsent.

In den Jahren 1962 bis 1964 zeigte Franco dann abermals sein wahres Gesicht. Die Repressionen wurden schlimmer, Gewerkschafter wurden verhaftet, bedroht, gefoltert, eingekerkert und in einigen Fällen erschossen oder auf andere Weise ermordet. Keine der europäischen Demokratien rührte auch nur einen Finger, und die Bush-Blair-Doktrin des präventiven Erstschlags existierte noch nicht. Deshalb schien mir in dieser Atmosphäre, wie George Orwell 1936, nur ein Vorgehen akzeptabel: Ich zog nach London, lernte dort Exilspanier kennen und beschloss, dass ich mehr tun musste als nur demonstrieren. Ich bot meine Dienste an.