Bescheidenheit und Demut sind ihm sonst eher fremd. Doch in der Stunde des Sieges übt sich der Ölmanager in Zurückhaltung. "Wir sind über die Zustimmung der ehrenwerten Ölministerin für unsere Akquisition entzückt", sagt Jubril Adewale Tinubu und müht sich dabei, jeden Jubel in der Stimme zu unterdrücken. "Das war ein langer Weg."

Mitte Juni erlaubte die Regierung Nigerias, dass die einheimische Oando-Gruppe die nigerianischen Ölfelder des US-Konzerns ConocoPhillips für knapp 1,7 Milliarden Dollar übernimmt. Oando stieg damit zu dem mit Abstand größten privaten Energiekonzern in ganz Afrika auf. In Lagos löste die Nachricht eine Kursrallye aus: Die Aktien des Konzerns schnellten sofort um zehn Prozent nach oben.

Auf diesen Triumph hat Tinubu lange gewartet. Schon vor sieben Jahren kündigte der Mitgründer, Hauptaktionär und Vorstandschef von Oando vollmundig an, einen panafrikanischen Ölmulti zu formen. Doch niemand nahm den Mann, den alle nur Wale nennen, damals ernst. Zwar wählte das Davoser Weltwirtschaftsforum Tinubu 2007 zum Young Global Leader – zu einer hoffnungsvollen Führungsfigur. Doch das fachkundige Publikum aus der Erdölbranche quittierte seinen Ehrgeiz meist nur mit höflichem Lächeln. Viele hielten den Schwarzafrikaner schlicht für eingebildet und hochnäsig. Heute feiert das US-Magazin Forbes Tinubu als den "König des afrikanischen Öls". Und die Wirtschaftszeitschrift Africa Ventures fragt rhetorisch: "Wäre es nicht an der Zeit, den Mann ernst zu nehmen?"

Heute sitzt Tinubu, 47 Jahre alt, in einem Büro in der Hauptstadt Abuja, im Landesinnern von Nigeria. Er trägt eine auffällige Brille mit dickem schwarzem Rand, ein hervorragend geschnittener Anzug kaschiert den leichten Bauchansatz. Von seinem Land beginnt er sofort zu schwärmen. "Die Gewinnmargen in Nigeria sind viel höher als in den meisten Volkswirtschaften", sagt er. "Es ist vielleicht etwas kompliziert, eine Lizenz zu bekommen, es gibt ja auch Engpässe bei der Stromversorgung, man muss die notwendige Infrastruktur selbst aufbauen. Wenn alles läuft, ist man aber zum Erfolg verdammt."

Das lässt sich leicht sagen, wenn man wie Tinubu solche Zahlen vorweisen kann: Oando fördert heute rund 45 000 Barrel Öl pro Tag. Der Konzern besitzt rund 650 Tankstellen in Nigeria, Benin, Ghana, Sierra Leone und Togo, dazu mehrere große Treibstofflager, ein eigenes Kraftwerk sowie Anteile an mehreren Tiefsee-Ölfeldern. Im Großraum Lagos versorgt Oando täglich Dutzende Industriekunden mit Gas durch eine eigene, 100 Kilometer lange Pipeline. Und dennoch war der Erfolg keineswegs programmiert. Ganz so zwangsläufig, wie Tinubu es darstellt, verlief der Aufstieg seines Imperiums nicht.

Große Vermögen in Afrika haben oft eine zweifelhafte Herkunft. Etliche afrikanische Oligarchen dürften von ihrer Nähe zum politischen Establishment profitiert haben wie zum Beispiel Patrice Motsepe oder Cyril Ramaphosa in Südafrika von ihrer Beziehung zur Regierungspartei ANC. Oder sie gehören schlicht zur Familie, wie Isabel dos Santos, die Tochter des langjährigen Präsidenten von Angola. So gesehen, ist Tinubu eine Ausnahmeerscheinung. Der Mann hat sein mittlerweile milliardenschweres Unternehmen fast ohne politische Kontakte aufgebaut. Als der Sohn eines Juristen aus Lagos ins Geschäft einstieg, besaß er auch kein Kapital.

Tinubu aber war ein helles Köpfchen, schon als Jugendlicher. Im Alter von 16 Jahren schickte sein Vater ihn nach England, wo er in Liverpool und London Jura studierte. Um nicht ganz von seinen Eltern abhängig zu sein, kaufte Tinubu damals Autos in Deutschland und verkaufte sie in Großbritannien, wo sie deutlich teurer waren. Ein einziger BMW konnte bis zu 1.000 Pfund Gewinn abwerfen.

"Immer wieder flog ich mit einem Seesack voll Geld nach Port Harcourt"

Nach seiner Rückkehr nach Lagos begann Tinubu 1991 in der Anwaltskanzlei seines Vaters zu arbeiten, doch nach drei Jahren warf er hin. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich als Anwalt etwas verändern konnte", sagt der Nigerianer heute. Damals habe er beschlossen, Unternehmer zu werden.