Im Sommer 2013 fiel dann eine Entscheidung gegen Neumann. Elf Jahre nach Einreichung der Kaweri-Klage sprach der High Court von Uganda den Klägern 37 Billionen Schilling, rund 11 Millionen Euro, Schadensersatz zu. Der Richter sah es als erwiesen an, dass die Siedler weder Land noch Geld als Kompensation erhalten hätten. Außerdem sei bewiesen, dass Manager der Neumann-Gruppe die Vertreibung mit vorbereitet sowie anschließend die Ernten der Vertriebenen vernichtet hätten. Den hanseatischen Kaufleuten warf das Gericht unehrenhaftes Verhalten und Verletzung von Menschenrecht vor. "Sie haben jedes Gespür für Menschlichkeit verloren."

Doch das Urteil enthält einige kuriose Schönheitsfehler. Verurteilt, den Schadensersatz zu zahlen, wurde nämlich nicht Kaweri, nicht Neumann, nicht der Staat Uganda und auch nicht der inzwischen verstorbene Privatverkäufer, sondern verurteilt wurden die Anwälte von Kaweri. Die aber waren gar nicht beklagt. Eine absurde Entscheidung, die mit Scharmützeln zwischen Richtern und Anwälten zu tun hat, vor allem aber zeigt, dass das Rechtssystem Ugandas nicht verlässlich ist. Kläger und Beklagte legten sofort Berufung ein, das Verfahren geht weiter.

Mubende-Distrikt, Uganda. Die Kaweri-Plantage beginnt gleich neben Kilawula. Uganda begeht den Tag des Helden. Doch in den Unterkünften für die Saisonarbeiter herrscht keine Feiertagsstimmung. Die Unterkünfte sind lang gestreckte Baracken, in kleinen Räumen stehen doppel- oder dreistöckige Metallbetten. Matratzen gibt es nicht. Die Männer liegen auf dem bloßen Drahtgeflecht und beklagen sich über Hunger und Kälte in der Nacht. Einige haben sich mit leeren Kaffeesäcken zugedeckt.

Die Männer fühlten sich um den versprochenen Lohn geprellt, sagt Peter M., einer der Saisonarbeiter. Für 100 ugandische Schilling pro gepflücktem Kilo, umgerechnet etwa drei Cent, plus freier Kost und Logis, seien sie angeworben worden. Doch erhalten hätten sie nur 74 Schilling, dazu am Tag nur eine Mahlzeit. Und die habe immer aus Maisbrei mit Bohnen bestanden. Um die karge Kost zu verbessern, haben die Männer mit der Steinschleuder Vögel geschossen und gebraten.

Wenn man von Kilawula elf Kilometer über die Kaweri-Plantage fährt, liegt dahinter das Dorf Kifufu. Ist schon Kilawula ein ödes Buschkaff, so ist Kifufu ein ödes, bitterarmes Buschkaff. Dort haben sich jene angesiedelt, die vor 13 Jahren heimatlos wurden und denen Kilawula zu teuer ist. Die meisten haben es nicht geschafft, wieder Fuß zu fassen. Ohne eigenes Land können sie ihren Lebensunterhalt nicht verdienen.

Viele der Kläger sind alt. Eine Frau, die anonym bleiben will, sagt, sie habe keine Hoffnung mehr, Entschädigung zu erhalten. "Die Muzungus haben unser Land. Und wir haben nur arme Hütten. Ich bin jetzt 72 Jahre, und bis ich Gerechtigkeit erfahre, werde ich wohl gestorben sein."

Hamburg, Sandtorkai, Coffee-Plaza. Dem Bericht von den Zuständen in den Unterkünften und den zu niedrigen Löhnen begegnet David M. Neumann gelassen. Die Behauptungen der Männer seien nicht wahr. Die Löhne seien über dem Durchschnittsniveau in Uganda und die Unterkünfte im Rahmen des Erforderlichen. "Die Arbeiter suchen sich aus, dort zu wohnen – wenn sie wollen, bekommen sie von uns eine traditionelle Papyrusunterlage, oder sie bringen ihr eigenes Bettzeug mit."