Die großen Erzieher, so heißt es, seien diejenigen, welche zweierlei anschaulich zuwege brächten: zu lieben und Beispiel zu geben. Beides konnte der amerikanische Komiker Robin Williams, er schien seine Zuschauer durchaus zu lieben (selbst jene, die er mit seinem Spott verfolgte), und seine Art, ihnen ein Beispiel zu geben, war es, sich mehr oder weniger nackt den Drachen der Angst, der Langeweile und der Dummheit in den Weg zu stellen: mit einem Witz.

Der Weg entsteht, indem man ihn geht, sagt Kafka. Der Witz entsteht, indem man ihn wagt, sagte Williams. Er war ein Stand-up-Comedian, ein Held der Improvisation, der durchs Kino zum Weltstar wurde (in Filmen wie Good Morning, Vietnam, Der Club der toten Dichter, König der Fischer, Mrs. Doubtfire). Er hatte die nervösen Gesten eines Trickfilmwesens und die großzügige Fantasie eines orientalischen Marktplatzerzählers, doch immer wirkte er untröstlich: ein empfindlicher, schlafloser Mann, dem nichts entging und der unter einem Übermaß an Information litt. Zu diesem Übermaß gehörte das Wissen, dass es zu viel Leid und zu wenig Trost auf der Welt gibt. Jetzt nahm Williams sich in seinem Haus in Kalifornien das Leben.

Kürzlich wurde der 100. Geburtstag des Komikers Louis de Funès gefeiert, der eine ähnliche Unruhe hatte wie Williams. Aber während de Funès seinen Daseinszorn fauchend nach außen stülpte und die Pfeile, die ihn trafen, mit Wucht zurückfeuerte, leitete Williams alle Angriffe in sein Innerstes: Als sei er erpicht darauf, Schmerz zu empfinden – er brauchte ihn, um Witz (in schlechteren Filmen: Rührseligkeit) daraus zu destillieren.

Er war immer sehr laut, und wenn er im Film Cadillac Man als ruchloser Autoverkäufer die Firmendevise "Nobody gets out here alive" blökte, so war das eine Einverständniserklärung, in die Stürme des Lebens gebrüllt: Das kann nicht gut ausgehen, also genießt es gefälligst! Es brüllte das untröstliche Kind, das, wenn es schon sich selbst nicht helfen konnte, wenigstens den anderen die Angst nahm.

In einer Prosaskizze hat Elias Canetti die Figur des Gefährlichen Schläfers erfunden – das ist ein Mann, der nur in riskanten Situationen Schlaf findet, etwa auf Dachfirsten oder am Rand eines Abgrunds. So war wohl auch Robin Williams: einer, der um sich her Gewitter, Chaos, Gelächter produzieren musste, um es auf der Welt auszuhalten – der Mann als sein eigener Entertainer, nie wissend, wohin der nächste Einfall ihn führen würde. Zur Ruhe kam er jeweils nur für Blitzsekunden, in der Pointe des Augenblicks. Er ruhte sich aus im Gelächter der anderen.