Reziprozität ist ein Grundprinzip des menschlichen Handelns. "Ich gebe dir ein Stück meines Mammuts, dafür bekomme ich später etwas von deiner Beute ab", hieß das früher. Erst wenn auf die Gabe des einen eine Gabe des anderen folgt, entsteht ein Tausch, und beide wissen, dass sie aufeinander zählen können. Das wiederum ist eine Grundlage der Marktwirtschaft.

Reziprozität, so simpel könnte die Begründung dafür sein, dass die Finanzinvestoren KKR und Permira, die bisherigen Mehrheitsgesellschafter von ProSiebenSat.1, den Führungskräften des Sendergruppe 76,8 Millionen Euro geschenkt haben. Vorstandschef Thomas Ebeling bekam mit 23,4 Millionen am meisten ab. Er war es ja auch, den die Finanzinvestoren kurz nach Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2009 vom Pharmakonzern Novartis an die Spitze des darbenden Münchner Unternehmens geholt hatten. In einer Zeit, in der Werbemärkte einbrachen, hohe Schulden den Sender drückten – und der Aktienkurs auf unter einen Euro abgestürzt war. Permira und KKR brauchten dringend jemanden, der im Konzern für sie sparte, aufräumte, umstrukturierte. Nur dann würden sie das Unternehmen mit hohem Gewinn wieder verkaufen können, wie es derlei bisweilen als Heuschrecken beschimpfte Investoren eben so machen.

Und wirklich: Als Radikalsanierer schaffte Ebeling die Wende. Die Gewinnkurven von ProSiebenSat.1 zeigten steil nach oben, zuletzt stieg der Jahresumsatz erneut um elf Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Und der Aktienkurs erst! Er hat sich verzweiunddreißigfacht. Nur deshalb strichen KKR und Permira dank ProSiebenSat.1 rund 1,2 Milliarden Euro ein. Diese Geld ist gewissermaßen das Stück Mammut, für das Ebeling und seine Leute nun wiederum entlohnt werden. An sich ist das eine übliche Praxis in der Welt der Finanzinvestoren. Überraschend ist bloß die Höhe der Boni – aber auch nicht überraschender als die Vervielfachung des Aktienkurses unter Ebeling.

Nun sind die Heuschrecken fort. Was bleibt, ist ein Konzernchef, der zum Multimillionär wurde, und eine durchsanierte Firma, aus der möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit herausgeholt worden ist. Vor allem am Programm sei gespart worden, sagen Insider. Tatsächlich zeigt ProSieben beinahe täglich eine Vielzahl amerikanischer Sitcoms inklusive Wiederholungen. Das ist billig. Und Sat.1 steckt in einer Identitätskrise, seit Nachrichtensendungen gekürzt und weniger aufwendige Eigenproduktionen gezeigt werden. Wie lange lassen Zuschauer sich so etwas bieten, bevor sie wegschalten?

Es sind diese Folgen einer auf kurzfristige Gewinne angelegten Strategie, die für die Sendergruppe zum Problem werden dürften, wenn die Aufregung über einmalige Sonderzahlungen längst verklungen sein werden.