Der Kunde hat einen denkbar schlechten Ruf, das Geschäft gilt als problematisch. Dennoch wirbt das Bundesfinanzministerium in einem Brief an Abgeordnete leidenschaftlich für diesen Deal. Es gehe um Arbeitsplätze, um die Stellung einer deutschen Werft im Weltmarkt, gar um den Erhalt "wehrtechnischer Kernfähigkeit im Bereich der Überwasserkampfschiffe" in der Bundesrepublik. In einem zweiseitigen vertraulichen Schreiben an Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestages nennt das Ministerium zahlreiche Gründe, warum ein großer Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien mit Bürgschaften des Bundes, sogenannten Hermes-Bürgschaften, abgesichert werden sollte: Es geht um 79 schnelle Einsatzboote, 33 Patrouillenboote, 32 Arbeitsboote und zwei Führungsboote. Auftragsvolumen: 1,4 Milliarden Euro.

Die "deutsche Werft", die in dem Schreiben nicht beim Namen genannt wird, ist die Firma Lürssen aus Bremen. Der Schiffbauer konkurrierte mit Wettbewerbern aus Australien, Frankreich und den Niederlanden um den Auftrag aus Saudi-Arabien. Die Bremer setzten sich schließlich durch – auch dank Berlin. Die Mehrheit im Bundestag folgte der Empfehlung des Finanzministeriums und stimmte für die Absicherung des Rüstungsgeschäfts. Der deutsche Staat übernimmt nun mit einer Bürgschaft das Risiko für die Fabrikation der 67 Boote in Deutschland und für deren Export. Scheitert das Geschäft, kommen die deutschen Steuerzahler für bis zu 95 Prozent der Kosten auf.

Zu den Kunden von Lürssen zählen auch Nachbarstaaten von Saudi-Arabien, wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Auf der Homepage der Werft heißt es: "Ob Schnellboot, Offshore Patrol Vessel, Korvette, Fregatte, Minenjäger oder Versorgungsschiff – Lürssen hat für all diese Schiffstypen Maßstäbe gesetzt. Diese Eigenschaften in Verbindung mit kurzen und verlässlichen Lieferzeiten sind das Fundament unserer Leistungsfähigkeit und geben uns weltweit das Vertrauen von vielen Marinen." Ferner heißt es: "Keine andere Werft hat für den internationalen Markt so viele Schiffe entwickelt, gebaut und in so viele Länder ausgeliefert."

Trotz dieser Erfolge bemühte sich Lürssen um staatliche Ausfallgarantien. Wie viele Geschäfte mit Hermes-Bürgschaften abgesichert wurden, verrät

die Werft nicht. Fest steht: Deutschland bürgt immer wieder für Waffengeschäfte weltweit und hilft seiner Rüstungsindustrie damit gegen die Wettbewerber aus anderen Ländern.

So profitierten deutsche Kriegsschiffsbauer jüngst auch bei Milliardengeschäften mit Algerien und Singapur von staatlichen Ausfallgarantien. Im Fall von Singapur, das zwei "konventionelle U-Boote mit außenluftunabhängigem Antrieb" im Wert von 1,6 Milliarden Euro erhält, stellt das Bundesfinanzministerium in einem vertraulichen Schreiben an den Haushaltsausschuss fest: "Der Exporteur steht in direkter Konkurrenz zu Mitbewerbern aus Frankreich und Schweden." Eine Auftragsvergabe würde die Stellung des deutschen Exporteurs im Weltmarkt stärken. Der Hersteller der U-Boote, ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), gab Ende 2013 bekannt, den Auftrag erhalten zu haben und dadurch seine Position als Weltmarktführer ausbauen zu können. Hermes-Bürgschaften wurden unter anderem 2012 für U-Boot-Geschäfte mit Ägypten über 700 Millionen, Israel über 405 Millionen und 2011 mit der Türkei über fast 2,5 Milliarden Euro gewährt.

Nicht nur U-Boote – auch deutsche Fregatten, Korvetten und Patrouillenboote gehören zu den Exportschlagern. Die Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel sowie der Marineschiffbau von Blohm + Voss in Hamburg, die zu TKMS gehören, und auch Lürssen weiten ihren Kundenkreis immer weiter aus. Sie verkaufen ihre Schiffe und Boote nicht mehr nur an die deutsche Marine oder befreundete Nato-Staaten. Sie haben längst neue Kunden in Asien und Afrika gefunden.

Ein Risiko gehen die deutschen Kriegsschiffshersteller wegen der Hermes-Bürgschaften bei der Akquise kaum noch ein. Die Rüstungshersteller können Verträge mit Staaten abschließen, in denen keine Rechtssicherheit besteht, deren Regime umsturzgefährdet sind oder deren Zahlungsmoral als schlecht gilt. Wenn sie dafür eine Hermes-Bürgschaft erhalten, müssen sie sich nicht weiter versichern. "Die Bundesregierung unterstützt die Exportaktivitäten deutscher Unternehmen zur Erschließung und Sicherung ausländischer Märkte durch Exportkreditgarantien des Bundes (Hermesdeckungen)", teilt die Regierung auf Anfrage mit und verteidigt ihr Vorgehen: Der "Förderzweck dieses Instruments" sei "insbesondere der Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland". Außerdem erfolge bei Ausfuhren im Rüstungsbereich eine Absicherung nur in Einzelfällen.