Es liegt in der Natur der Sache, dass jede Fußballmannschaft, selbst der FC Bayern München, im Laufe einer Saison Spiele spielt, bei denen sich der Betrachter fragt, warum sie eigentlich bis zur neunzigsten Minute dauern müssen. Es gelingt einfach nichts. Dumm ist nur, wenn sich diese Spiele schon zu Saisonbeginn derart häufen, dass weder Betrachter noch Spieler oder Trainer wissen, ob das grausige Geschehen auf dem Platz die Ausnahme ist oder ob die Mannschaft wirklich so schlecht dasteht. So geht es gerade dem FC St. Pauli.

Die Erwartung war hoch, die Vorfreude auch. In der vergangenen Saison verpasste der Club nur knapp den Aufstieg. Ein bisschen die Abwehr stärken, ein bisschen mehr Punch in der Offensive, dann könnte es was werden mit der ersten Liga, dachten alle.

Nach zwei Spieltagen sieht nichts mehr nach Tabellenspitze aus. Der Verein steht noch hinter Heidenheim und Sandhausen, und das letzte Spiel in Aalen war schlichtweg ein Albtraum. 2 : 0 verloren die sonst so auswärtsstarken Paulianer. Nicht das Ergebnis, sondern die Art und Weise entsetzte. Die Hamburger hatten mehr Ballbesitz, aber sie machten daraus nichts. Aalen konterte munter drauf los, hätte drei, vier Tore mehr schießen können. Nach dem Spiel waren die Sportler ratlos, und der Trainer war sauer. "Wir haben richtig auf die Fresse bekommen", sagte Roland Vrabec. "Jedes Training hat bei uns mehr Intensität als dieses Spiel."

Wenn ein Trainer so früh in einer Saison verbal so zuschlägt, muss etwas falsch laufen im Verein. Und schaut man sich die vergangenen Wochen an, scheint wirklich etwas in Schieflage geraten zu sein, seit im Sommer, aus heiterem Himmel, die Statik des Clubs ins Wanken geriet. Stefan Orth, der eigentlich erfolgreiche Präsident, muss gehen. Ein neuer Mann soll dem Verein eine neue Richtung verpassen. Die Entscheidung des Aufsichtsrates ist mutig. Es kann sein, dass sie sich auf lange Sicht auszahlt. Erst einmal aber schafft sie Unsicherheit, die sogar auf die Profimannschaft abfärbt.

Für Panik ist es noch zu früh. Eine Trainerdiskussion wäre überzogen. Der neue Stürmer Ante Budimir muss sich noch einfinden, und der Blick in die anderen Stadien spendet Trost: Aue verliert 5 : 1 gegen Bochum, 1860 München 3 : 0 gegen Leipzig, Nürnberg, der erklärte Aufstiegsfavorit, 5 : 1 gegen Fürth. Alle müssen sich erst einspielen. Dennoch: Eine Krise, wie sie sich beim FC St. Pauli gerade abzeichnet, führt im Profifußball bekanntlich oft zum Ausnahmezustand.