Die große Intellektuelle, Autorin und Kultfigur, die glamouröse Susan Sontag, die Camp als Zeitphänomen zu fassen kriegte, uns Fotografie erklärte, Krebs als böse Metapher begriff und in Sarajevo den Belagerten zu Hilfe eilte – schon klar, dass einer wie Jonathan Cott eine wie Sontag auf dem Menü hatte, Cott, dessen Rolling Stone- Interviews eine Legende sind, der Mick Jagger begegnete und Liz Taylor und der das "Finale Interview" mit John Lennon führte, bevor die Schüsse vor dem Dakota fielen. Cott traf Sontag 1978, ein Jahr nach ihrem Fotografie-Essay, ein Jahr vor ihrem Essay über Krankheit, Location: das 16. Arrondissement in Paris. Und wieder 1979, Location: ein Penthouse in New York. Die vielen Stunden des Interviews sind nun erstmals vollständig zu lesen. Man staunt über die ehrfürchtigen Fragen und die vielsätzigen Antworten. Sontag umkreiselt ihre Themen, wie fasziniert von sich selbst, startet etwa mit Riefenstahl, weiter geht’s mit Urschrei, Nietzsche, den faschistoiden Impulsen in der New-Left-Bewegung, schon sind wir bei einer Leerstelle in der Theorie von Wilhelm Reich (das fehlende Dämonische). So in der Art. Marihuana kommt vor, das Frühstück nach einem One-Night-Stand, auch das Bekenntnis: "Das meiste, was ich tue, ist entgegen landläufiger Ansicht intuitiv und unreflektiert ..." Et voilà. Susan Go Lightly! Wer, außer ihr, hätte wagen können, so was zu sagen?