Reden wir erst mal vom Sprechen: Manche Sprachen scheinen schneller gesprochen zu werden als andere. Wenn eine Spanierin drauflosquasselt, dann bringt sie in der gleichen Zeit viel mehr Silben unter als ein Deutscher. Forscher haben das gemessen: Spanier sprechen 7,8 Silben pro Sekunde, Deutsche nur 6,0. Unter den Asiaten sind die Japaner sehr schnell (ebenfalls 7,8 Silben pro Sekunde) und die Mandarin-Chinesen sehr langsam (5,2).

Aber die Silben der schnellen Sprachen sind auch weniger komplex, die Sprecher brauchen mehr davon, um das Gleiche zu sagen. Das zeigten François Pellegrino und seine Kollegen von der Universität Lyon 2011: Die acht Sprachen, die sie untersuchten, hatten zwar unterschiedliche Silbenfrequenzen, aber sie vermittelten denselben Inhalt in fast der gleichen Zeit. Vielleicht gibt es eine optimale Rate an Informationen, die unser Gehirn hörend verarbeiten kann.

Beim Lesen muss man berücksichtigen, dass in alphabetischen Schriften die Buchstaben jeweils einem Laut entsprechen, während im Chinesischen ein Zeichen oft für ein ganzes Wort, zumindest aber für eine Silbe steht. Chinesisch-Leser berichten, dass sie den groben Inhalt eines Textes oft mit einem Blick erfassen können – die Bedeutung der Schriftzeichen springt direkt ins Auge.

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Geht es aber ums detaillierte Lesen, dann hat auch der Chinese ein Geschwindigkeitslimit: Fuchuan Sun und seine Mitarbeiter von der Universität von Kalifornien in Berkeley zeichneten 1985 die Augenbewegungen (Sakkaden) der Leser von englischen und chinesischen Texten auf und maßen auch die Lesegeschwindigkeit: 380 englische Wörter pro Minute gegenüber dem chinesischen Äquivalent von 390 Wörtern. Das deutet darauf hin, dass es auch beim Lesen eine Art kulturübergreifende optimale Informationsrate geben könnte.

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